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Consulting oder Freelancing nach 2 Jahren Berufserfahrung? Finanzielle Unabhängigkeit?

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Hallo zusammen,

 

ich versuche grade die Weichen für meine berufliche Zukunft zu stellen und weiß, dass viele hier im Bereich IT-Consulting bzw. -Freelancing unterwegs sind. Ich würde mich deshalb sehr über eure Einschätzung und Erfahrungswerte zu diesem Thema freuen!

 

Hier meine Situation:

Ich (30j) bin nach 3 Jahren FIAE-Ausbildung und 2 Jahren Berufserfahrung als Software-Entwickler bereit für den nächsten Karriereschritt.

Aktuell liegen mein Schwerpunkte in der Backend-Entwicklung mit Java, REST und Microservices sowie DevOps mit Jenkins/CI-CD, Docker, Kubernetes & Co.

Ich arbeite im Bereich Banken und Versicherungen und verdiene dieses Jahr etwa 60.000€.

In meinen 5 Jahren als Software-Entwickler hat mir die projektbezogene, technikintensive Arbeit stets am meisten Spaß gemacht. 

Deshalb will ich gerne Vollzeit in die Projektarbeit als Technologie-Experte wechseln.

Ich sehe derzeit zwei Wege, um das zu bewerkstelligen:

1. als Freelancer/Selbstständiger auf dem Projektmarkt

2. als Angestellter bei einem Consulting-Unternehmen

Neben Erfüllung im Beruf würde ich die gute Auftragslage in der IT-Branche aber auch gerne nutzen, um möglichst schnell Kapital aufzubauen und finanziell unabhängig zu werden, sodass ich nach ca. 15 Jahren nicht mehr in Vollzeit arbeiten muss, wenn ich es nicht möchte.

Jetzt ist die Frage, wie ich das am besten alles unter einen Hut bekomme und dazu skizziere ich mal zwei Szenarios. Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

 

Szenario 1, Freelancing/Selbstständigkeit:

Ich arbeite mit vielen selbstständigen Software-Entwicklern zusammen. In der Banken- und Versicherungsbranche ist das offenbar gang und gäbe. Übliche Stundensätze (netto all-exclusive) sind 75-100€. Die Projektlage ist auch nach dem Schreck mit der Scheinselbstständigkeit sehr gut und manche Kollegen rechnen bei stressigen Langzeitprojekten bis zu 2100 Stunden im Jahr ab. Kalkuliert sind vom Auftraggeber oft ca. 1800 Stunden pro Jahr und ein realistischer Durchschnitt über mehrere Jahre als Freelancer sind vielleicht eher 1500 Stunden pro Jahr.

Eine mögliche Entwicklung als Freelancer wäre ein Einstieg mit einem Stundenlohn von 75€, nach einem Jahr Erhöhung auf 80-85€, um nach ca. 5 Jahren bei ungefähr 100€/h zu liegen. Je nach Spezialisierung ist auch mehr möglich, aber als "0815"-Java-Entwickler ist man mit 100€/h netto all-exclusive so ziemlich am Limit angelangt. Ähnlich wie man als angestellter Java-Entwickler selten mehr als 90.000€/Jahr verdienen wird.

Die Nachteile am Freelancing sind ganz klar, dass man sich um *deutlich* mehr kümmern muss. Nachdem man die steuerliche, unternehmerische, rechtliche und finanzielle Seite zumindest halbwegs verstanden hat, muss man ein Gewerbe anmelden, Rechnungen schreiben, Kunden akquirieren, Buchhaltung und Bilanzierung betreiben, eventuell zusätzliche Versicherungen abschließen, sich mit nicht-zahlenden Kunden rumärgern, Steuerberater und/oder Anwalt bezahlen, Unterlagen archivieren, ein Büro sowie eventuell Fahrtenbuch führen etc. Außerdem gehen Weiterbildung, Altersvorsorge, Krankenkasse und Urlaub komplett auf eigene Kosten. Mit Stabilität wie in der Festanstellung wars das dann erstmal und  besonders in den ersten paar Jahren geht viel wertvolle Lebenszeit drauf, sich die Selbstständigkeit aufzubauen. Gefühlt lohnt es sich ab einem Jahresgehalt von ca. 90.000€ als Angestellter nicht mehr in diese Art von Freelancing zu wechseln.

Trotzdem bin ich geneigt, diesen Weg zu gehen, denn es scheint mir die einzige Möglichkeit, früher und selbstbestimmt finanziell unabhängig zu werden. Die mittelfristigen Verdienstmöglichkeiten sind zumindest m.E. deutlich höher, besonders, wenn man bereit und fähig ist, etwas mehr zu arbeiten. Bei durchaus realistischen 1800 Stunden pro Jahr mit einem Stundensatz von 80€ können schon in den ersten Jahren jeweils etwa 145.000€ Umsatz erwirtschaftet werden. Das wären in meinem Fall grob 80.000€-95.000€ jährlicher Gewinn nach Steuern.  Nach Abzug aller Kosten, inklusive privaten, sind es noch etwa 60.000-75.000€. Wer frugal lebt, kann gut 60.000€ pro Jahr zurücklegen bzw. investieren und hat nach 10-15 Jahren einen Notgroschen, der es einem erlaubt, in Teilzeit zu arbeiten oder sogar komplett von den Zinsen zu leben. Ein Modell, dass mir noch besser gefällt, ist es, den "Ruhestand" zumindest teilweise in die Gegenwart zu verlegen und z.B. nur 6-9 Monate pro Jahr Projektarbeit zu machen und die restliche Zeit möglichst zu genießen. Zum Beispiel durch Reisen/Aufenthalt in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten. Je nach Kundenstamm kann man u.U. sogar komplett remote aus solchen Ländern arbeiten und den eigenen Stundensatz effektiv nochmal um 50-150% anheben. In einer Festanstellung wäre so ein "vorgezogener Ruhestand" undenkbar.

 

Szenario 2, Festanstellung im Consulting:

Der naheliegendere bzw. einfachere Weg wäre in der Festanstellung eine technische Karriere anzustreben. Dafür kommen eigentlich alle Unternehmen in Frage, die mit Software, IT und/oder -Beratung hauptsächlich ihr Geld verdienen und größtenteils projektbezogen arbeiten.

Der sicherste Weg, projekt- und technologielastig zu arbeiten, ist aber vermutlich bei einem Consulting-Unternehmen wie Athos, Adesso, CapGemini & Co. anzuheuern.

Eine mögliche Entwicklung bei so einem Unternehmen wäre ein Einstieg mit 65.000€, um sich dann voll in die Projektarbeit und Weiterbildungsmöglichkeiten zu stürzen und nach etwa 3-5 Jahren als Solutions Architect o.ä. ca. 85.000€ zu verdienen. Mit viel Engagement und/oder strategischem Job-Hopping ist man nach 5-10 Jahren vermutlich beim 6-stelligen Gehalt.

Die Vorteile, die ich hier sehe, sind größtenteils solche, die man aus dem Angestelltenverhältnis kennt: Verlässliches Gehalt, planbarer Urlaub, Home-Office, bezahlte Krankheitstage, umfangreiche und bezahlte Weiterbildungsmöglichkeiten etc. Wenn man es tatsächlich in den 6-stelligen Gehaltsbereich schafft, steht man zudem vermutlich deutlich besser da als ein vergleichbarer Freelancer. Bonus ist die Möglichkeit, u.U. relativ unkompliziert im Ausland zu arbeiten und/oder eine echte Karriere zu verfolgen.

Wenn man es nicht bereits erkennen konnte, habe ich aber leider wenig Erfahrung damit, wie Consulting-Firmen wirklich operieren und ob das Szenario halbwegs realistisch ist.

Im Vergleich zum Freelancing ist hier der mittelfristige Verdienst aber deutlich geringer. Bei 65.000€ Brutto in den ersten beiden Jahren bleiben etwa 38.000€ Netto nach Steuern und nach Abzug aller Kosten maximal 20.000€ zum Sparen übrig. Auf diesem Weg braucht man mindestens doppelt so lange, um sich den selben Notgroschen wie im Freelancer-Szenario anzusparen. Eher drei mal so lange. Dann bin ich aber ohnehin im Rentenalter. Außerdem ist es hier kaum möglich, nur 6-9 Monate pro Jahr zu arbeiten und den Ruhestand teilweise in die Gegenwart vorzuverlegen. Vor 67 kann man nur mit großen Abzügen in Rente gehen und die Investition in die gesetzliche Rentenversicherung hat eine denkbar schlechte Rendite. Deshalb scheint mir dieses Szenario weniger attraktiv.

 

TLDR:

Ich habe bereits in beide Richtungen meine Fühler ausgestreckt, spreche mit Consulting-Firmen bzw. -Recruitern und fange demnächst an, mich nebenberuflich selbstständig zu machen.

Aber mich würde brennend interessieren, welchen Pfad ihr an meiner Stelle als IT-Nachwuchs mit Hang zu Technik und Projektarbeit einschlagen würdet:

"Klassische" Karriere im Consulting oder die selbstbestimmtere aber risikoreichere Variante als IT-Freelancer?

 

Viele Grüße!

 

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Ich habe mich von Anfang an in einer Consulting Firma angefangen und nach einigen Jahren (hätte ich vielleicht schon früher tun sollen) selbständig gemacht, war aber vorher schon als Consultant mit hohen Wechselgrad aktiv und habe eine Menge "Vorarbeit" bei potentiellen Kunden geleistet um mir einen Namen aufzubauen und potentielle Vorschläge für Projekte gesammelt, die ich teils auch dann als Freelancer einbringen konnte.

Kommst Du als "Newbie" rein und niemand weiß etwas über Dich zu berichten, dann ist es schon deutlich schwieriger wegen der Konkurrenzsituation, da die Menge an Freelancern mit vielleicht mehr Erfahrung direkt beim Kunden je nach Kunden recht hoch sein kann. Bist Du erst einmal drin, geht´s fortan üblicherweise leichter.

Sollte das bei Dir nicht so sein und Deine Softskills bzw. Dein Auftreten vielleicht noch nicht energisch und selbstsicher genug sein, dann würde ich mir erst einmal überlegen bei Consulting-Firmen noch zeitweise Erfahrung zu sammeln. Dabei empfehle ich darauf zu pochen nicht die ganze Zeit beim selben Kunden im selben Projekt zu hängen, sondern optimalerweise mehrere Projekte bei mehreren Kunden zu forcieren und versuche immer 120% aufwärts abzuliefern, also über das geforderte Maß hinaus. Das erhöht Deine späteren Chancen als Freelancer deutlich.

Vergiß nicht, auch wenn Du scheinbar gut mit Projekten eingedeckt bist, rechtzeitig nach neuen umzuschauen. Manchmal braucht man mehrere Anläufe und Gespräche bis sich etwas tut. Ich habe mir auch einmal ungewollt wegen notwendiger Operationen eine längere Leerlaufphase gehabt und mußte dann meine ganzen Rücklagen erst einmal aufbrauchen bis ich wieder aktiv werden konnte (die nie vergessen anzulegen!). Also Du kannst nicht wirklich damit rechnen, alles einfach aufbrauchen zu können - effektiv kommt irgendwie immer weniger dabei raus als bei der ersten Planrechnung. Aber als Argument Pro muß ich sagen, daß es mir trotz einiger Monate Ausfahllzeit und manchmal noch 2-3 Monate Übergangszeiten in neue Projekte - denn die Übergänge klappen fast nie nahtlos - finanziell durch die Reihe weg immer besser ging als wie in der Angestelltenzeit und es hat sich zeitweise als wesentlich stressfreier heraus gestellt. Wegen Scheinselbständigkeit bist Du eigentlich verdonnert parallel mehrere Kunden und Projekte zu fahren, was sich in der Realität z.B. bei höheren Management-Jobs als fast unmöglich erweist, es sei denn Du arbeitest immer mit Mikro-Projekten (1-3 Monate) wo natürlich Deine Aufwände und Anstrenungen deutlich ansteigen. Die Mehrarbeit hat sich auf vielleicht 1-2 Tage pro Jahr fürs die Buchhaltung und etwa 2-3 Tage für Aquise herausgestellt, ist aber sicher nicht die Regel. Bei mir haben sich durch Mundpropaganda die meisten Kunden von selbst mit den tollsten Projekten sehr schnell bei mir gemeldet. Die Suche hat sich daher als Minimalaufwand heraus gestellt.

Bei jedem neuen Kunden im Gespräch wirst Du auf Deine Erfahrungen und Kenntnisse abgeklopft werden und je breiter und tiefer diese sind, desto mehr fällt alles andere hinten runter. Ich habe lustigerweise meine Zeugnisse niemals jemand zeigen müssen, weil die einfach gar niemand interessiert haben und ich außerdem mir angewöhnt habe die Entscheider, bzw. Chefs direkt persönlich abzufangen - hat immer geklappt. Solche Recruiter-Abklopf-Typen sind aus meiner Sicht die falsche Adresse für gute Projekte. Es ist vorteilhaft Leute beim Kunden zu kennen, die einen direkt mal für bestimmte Tätigkeiten beim Kunden weiter empfehlen. Daher ist es ratsam auch außerhalb der Projekte die Kontakte zu anderen Selbständigen oder Firmen zu pflegen mit denen man sich gut versteht. Ab einem bestimmten Moment ist die Erfahrung und die Jobs wichtiger. Die Schulzeit, Zeugnisse und Zertifikate sagen nämlich nichts über Deine Softskills aus, die in ensprechender Position oft mit dem Leumund am höchsten bewertet werden.

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Am 4.5.2019 um 14:15 schrieb Crush:

Ich habe mich von Anfang an in einer Consulting Firma angefangen und nach einigen Jahren (hätte ich vielleicht schon früher tun sollen) selbständig gemacht, war aber vorher schon als Consultant mit hohen Wechselgrad aktiv und habe eine Menge "Vorarbeit" bei potentiellen Kunden geleistet um mir einen Namen aufzubauen und potentielle Vorschläge für Projekte gesammelt, die ich teils auch dann als Freelancer einbringen konnte.

[...]

Hi Crush und vielen Dank für die ausführliche Antwort!  

Ich habe inzwischen bei einigen Unternehmensberatungen Interviews geführt und bin ein wenig erschrocken. Verglichen mit meinem Job in der Frankfurter Finanzbranche mit 38h/Woche, 30 Tagen Urlaub, ca. 5 Tagen bezahlter Weiterbildung pro Jahr, Gleitzeit, Home-Office mind. 1 Tag pro Woche und alles in allem sehr guter "Work-Life-Balance" wird man bei Unternehmensberatung wie CapGemini, Adesso & Co. eher wie "Humankapital" behandelt. Mein Eindruck war, dass mindestens 45h/Woche verlangt werden plus Überstunden, um auch nur ansatzweise zu glänzen. Urlaub und Krankheit sind da eher ein Hindernis und man ist nur einer von vielen "Bodies", die ausgeliehen werden.    

Auch wenn man bei Unternehmensberatungen in kurzer Zeit eine Menge lernen kann, scheint mir das doch nicht mehr so attraktiv im Vergleich zu meinem "Corporate Job" in der Finanzbranche.  

Mein aktueller Plan ist es, mich nebenberuflich selbstständig zu machen (75€/h aufwärts) und mindestens noch ein Jahr in Festanstellung zu bleiben, um die Berufserfahrung zu zementieren und möglichst viele Weiterbildungen mitzunehmen. Nachteil ist, dass ich bei 60-70k€/Jahr bleibe statt 120-150€k/Jahr als Freelancer.  

Klingt das sinnvoll?

Viele Grüße

P.S.: Eine Alternative, die ich erwäge, ist bei SAP, Software AG o.ä. anzuheuern. Ich wurde bereits von SAP via LinkedIn eingeladen. Hier ist man natürlich genauso ein Zahnrad von vielen aber man kann sich in der Folge zumindest mit (deutlich?) besseren Stundensätzen selbstständig machen, oder?

 

bearbeitet von pld

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Gast Liwjatan

@pld

Wenn du soviel Wert auf WorkLife Balance legst (38h, Homeoffice, bezahlte Weiterbildung) und schon ein Consulting Job "zuviel" ist, solltest du dir ernsthaft die Frage stellen ob die Selbstständigkeit generell etwas für dich ist. 

Ein guter Kollege von mir ist Freelancer im. NET Umfeld und ja, er verdient gut und kann sich seine Projekte nach Interesse aussuchen. Aber er meinte auch, dass die Kunden zu 99% Vor-Ort Präsenz verlangen. Das sei so üblich, weil man oft in bestehende Teams/Projekte integriert wird und nicht den ganzen Tag alleine vor sich hin tüftelt (im SAP Bereich sowieso, Migrationen beim Kunden...). Dazu kommt das man auch von dir erwartet dann entsprechende Stunden an dem Projekt zu arbeiten, wenn die Zeit knapp ist, auch mal mehr also 8h-12h ganz normal. Tja.. Aber in dieser Zeit arbeitest du tatsächlich - sprich da hast du noch keine Rechnungen geschrieben, keine Kundenaquise/Marketing betrieben und noch keine Weiterbildungen gemacht. Das kommt alles dann Zuhause nach den geleisteten Stunden. Das andere kannst du ja nicht in Rechnung stellen. 

Du scheinst ja doch nicht bereit zu sein "alles" aufzugeben, um in 15 bis 20 Jahren "frei" zu sein. Muss man sich halt Fragen ob das nicht nur Träumereien sind und du für dich wirklich die richtigen Prios setzt. 

Schon mal darüber nachgedacht in deinen jetzigen Job einfach die Stunden zu reduzieren? Warum das Leben auf später verschieben wenn man schon gut verdient? Im Angestelltenverhältnis ist das, auch wegen entsprechenden Gesetzen, einfacher machbar als in der Selbständigkeit. Oder willst du deinen Kunden sagen: Sorry sie müssen ihre Zeit zur Deadline verdoppeln weil ich arbeite nur 4h?... Das wird sowieso nicht funktionieren. Und auf Gehalt willst du dann auch nicht verzichten. Sprich die besten Jahre seines Lebens für "nur" ein dickes Bankkonto weggeworfen. 

In meinen Augen könntest du jetzt schon 30h oder weniger arbeiten ohne das du an der Armutsgrenze knabberst. Eine abbezahlte Wohnung wäre natürlich nicht schlecht, weil dann Netto richtig was übrig bleibt. 

 

bearbeitet von Liwjatan

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vor 3 Stunden schrieb Liwjatan:

@pld

Wenn du soviel Wert auf WorkLife Balance legst (38h, Homeoffice, bezahlte Weiterbildung) und schon ein Consulting Job "zuviel" ist, solltest du dir ernsthaft die Frage stellen ob die Selbstständigkeit generell etwas für dich ist. 

[...]

Du scheinst ja doch nicht bereit zu sein "alles" aufzugeben, um in 15 bis 20 Jahren "frei" zu sein. Muss man sich halt Fragen ob das nicht nur Träumereien sind und du für dich wirklich die richtigen Prios setzt. 

[...]

In meinen Augen könntest du jetzt schon 30h oder weniger arbeiten ohne das du an der Armutsgrenze knabberst. Eine abbezahlte Wohnung wäre natürlich nicht schlecht, weil dann Netto richtig was übrig bleibt. 

Hi und vielen Dank für deine Einschätzung!

Du hast völlig Recht: "alles" aufzugeben nur für die Kohle kann und will ich nicht.

Ich habe nun einige hitzige Projekte hinter mir und kenne meine ungefähren Grenzen. 40h/Woche sind unproblematisch, 50h/Woche sind auf Dauer noch i.O. aber ab 60h stressiger Arbeit pro Woche über mehrere Monate leidet die Gesundheit und das Privatleben für meinen Geschmack deutlich zu stark. 

Ich habe u.a. deshalb auch bewusst Führungskarriere und Projektleitung/-management aus meiner Zukunftsplanung vorerst ausgeschlossen, obwohl man da deutlich besser verdienen kann. Der Stress und die Verantwortung scheint mir bisher das Geld schlicht nicht wert. Als angestellter Consultant ist es offenbar ähnlich. Für die Lebenszeit, die man reinsteckt, kriegt man im Verhältnis offenbar nicht wirklich mehr raus als ich jetzt schon im einem komfortablen "Corporate Job" habe.

An das Thema Unternehmensberatungen bin ich also zugegebenermaßen etwas blauäugig rangegangen.

 

Dein Vorschlag, auf 30h pro Woche (oder weniger) zu reduzieren klingt prima und ist sicherlich machbar, vor allem wenn man in ein paar Jahren eine abbezahlte Eigentumswohnung hat. Das ist auch ziemlich genau mein Ziel.

Ich bezweifle aber ein wenig, dass ich über diesen Weg am besten mein Ziel erreiche. Denn für eine Eigentumswohnung/Haus braucht man Kapital und/oder man muss einen langfristigen, hohen Kredit aufnehmen, was mich vom Ziel der finanziellen Unabhängigkeit eher wegführt. Ich will zunächst einfach Kapital aufbauen. Irgendwann, wenn der Markt günstig ist und ich ein angenehmes Plätzchen gefunden habe, investiere ich dann in eine Immobilie. Bis dahin will ich aber möglichst flexibel bleiben. Und das ist das zweite Problem mit diesem Weg, mit den 30h pro Woche als Angestellter ist man m.E. alles andere als flexibel sondern eher stärker gebunden als vorher durch das niedrigere Einkommen. Klar hat man mehr Freizeit, um z.B. den großen Wurf mit einem eigenen Softwareprodukt zu versuchen. Aber als Einkommensmodell skaliert es denkbar schlecht.

Nach all dem hin und her scheint mir Freelancing die beste Option. Die stundenbasierte Abrechnung skaliert mit Abstand am Besten und man hat deutlich mehr Spielraum um bei Bedarf schneller Kapital aufzubauen. Der Projektmarkt gibt jedenfalls mehr als genug her. Gleichzeitig hat man hier theoretisch auch die Möglichkeit, zwischen Projekten ab und zu mal 1-3 Monate freizunehmen und so effektiv auch auf die 30-Stunden-Woche zu kommen, übers Jahr verteilt. Besonders zu Beginn rechne ich eher mit bis zu 60h pro Woche, von denen ich vielleicht nur 40 abrechnen kann, also bis zu 50% Overhead. Aber ich habe nun mit vielen Freelancern gesprochen und sehe sie täglich auf der Arbeit. Viele haben komfortable Langzeitprojekte im Bankenumfeld, die sich von der Arbeit als Angestellter kaum unterscheiden. Buchhaltung, Umsatzsteuervoranmeldung, Steuererklärung & Co. geben sie komplett an den Steuerberater ab. Projektakquise läuft größtenteils passiv, weil man täglich Projektangebote von Recruitern bekommt. Einige Freelancer, die das schon länger machen, haben mir einen monatlichen Overhead von ca. 1-2 Tagen für die Selbstständigkeit genannt, was dann nur noch 5-10% Overhead sind. Wenn man sich dahinter klemmt, bin ich sicher, dass das machbar ist, jedenfalls sicher genug, um es mal ernsthaft für ein paar Jahre auszuprobieren, auch wenn die Lebensqualität darunter tatsächlich leiden sollte. 

Soweit schon mal ein Dankeschön an alle, die den Thread verfolgt haben. Ich bin nach wie vor sehr offen für alle Anregungen und vor allem konstruktive Kritik. Klingt das immernoch blauäugig bzw. nach Träumereien? Hat noch jemand hier einen ähnlichen Schritt hinter sich und kann berichten?

Viele Grüße

 

 

 

 

 

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Also ein kleiner Tipp am Rande: Die finanzielle Unabhängigkeit wirst du niemals erreichen, wenn du deine Zeit gegen Geld eintauschst.
"Wenn du kein Geld während dem Schlaf verdienst, wirst du bis zu deinem Lebensende arbeiten" - Warren Buffet
(Zitat ist aus dem Gedächtnis und kann von der Wortwahl etwas abweichen)
 

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Ohne Deine Ambitionen schmälern zu wollen, wird es wohl schwierig für Dich, eine finanzielle Verbesserung hinzulegen, ohne dass Du dafür an anderer Stelle etwas opfern musst. Du hast "nur " eine Ausbildung, zwei Jahre Berufserfahrung und bietest relativ handelsübliche Java-Entwicklung mit DevOps und Co.. Dafür bekommst Du 60k und einen Inhouse-Job mit <40 Wochenstunden. Das ist mehr als gut und damit dürftest Du problemlos zu den Top 10% mit vergleichbaren Positionen gehören.

Im Consulting mag man ggf. mehr verdienen, richtig. Dafür bist Du häufig unterwegs, schiebst Überstunden (finanziell abgegolten) und dank Steuerprogression bleiben von den z. B. 10k mehr Jahresbrutto kaum etwas übrig. Zudem musst Du einen 70k+ Consulting-Job erst einmal bekommen. Selbstverständlich ist der nicht. Vor allem nicht ohne Studium und mit zwei Jahren Berufserfahrung.

Beim Freelancing ist das noch ungleich schwieriger, stressiger und schlechter planbar. Work-Life-Balance gibt es dort, sofern überhaupt, erst nach zig Jahren, wenn man ein gutes Netzwerk aufgebaut hat. Ansonsten gilt das altbekannte Klischee der Selbstständigkeit: man arbeitet selbst und ständig. 120k Jahresverdienst klingen zuerst fürchterlich viel, sind aber nicht vergleichbar mit 120k als Arbeitnehmer. Krankenversicherung, Altersvorsorge und Rücklagen wollen davon bestritten werden, so dass der reale Mehrwert häufig nicht so hoch ist wie erhofft.

Kurzum: Am Ende musst Du wissen, was Du möchtest und ich wünsche Dir viel Erfolg dabei. Jedoch bist Du mit Deinem aktuellen Job bereits recht weit oben in der Nahrungskette (vor allem für Deine Biografie), so dass die nächsten Stufen alles andere als leicht zu erklimmen sein dürften. Ich denke, Du fährst am besten, daran festzuhalten und zu versuchen, nebenbei ein zweites Standbein aufzubauen.

...

Das Thema finanzielle Freiheit ist für mich übrigens eine ähnliche Mogelpackung wie Tiny Houses. Schwer im Trend, medial gehyped, aber in der Realität selten ein Thema und erst recht nicht von Dauer. In jungen Jahren, mit gutem Job, gesund und ohne Frau oder Familie kann man es sich leisten, hohe Sparquoten zu erzielen oder sparsam zu leben. Da steigt das Konto monatlich rapide an und der Reichtum ist greifbar nahe.

Spätestens jedoch, wenn es mit Job, Gesundheit oder Singledasein nicht mehr so läuft, ist damit Schluss und die Sparquote reduziert sich drastisch. Dann muss es doch die größere Wohnung werden, evtl. sogar das Haus, der Nachwuchs braucht x und y, die Familie möchte in den Urlaub und der ehemalige Großverdienst ist zur gefühlten Grundsicherung verkommen.

Ganz zu schweigen davon, wie erstrebenswert es ist, sich in den besten Jahren des Lebens einzuschränken, damit man mit 50+ weniger gebunden ist. Bis dahin hat man ggf. so vieles verpasst, das holt man dann auch nicht mehr nach.

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Am 11.5.2019 um 01:42 schrieb pld:

[...]Mein aktueller Plan ist es, mich nebenberuflich selbstständig zu machen (75€/h aufwärts) und mindestens noch ein Jahr in Festanstellung zu bleiben, um die Berufserfahrung zu zementieren und möglichst viele Weiterbildungen mitzunehmen. Nachteil ist, dass ich bei 60-70k€/Jahr bleibe statt 120-150€k/Jahr als Freelancer.  [...]

also 60-70k€ als Angestellter entspricht in etwa 110-120k€ als Freelancer (wobei man den Freelancer Status auch erst einmal durchbekommen muss und ansonsten noch zusätzlich Gewerbesteuer, sowie IHK-Beitrag zahlen darf). 

Ich hatte damals als Freelancer meine grob 110-120k€/Jahr Einnahmen (vor Steuer und Co) und im Endeffekt hatte ich danach mit ca. 65k als Angestellter genauso viel davon raus, jedoch bedeutend weniger Aufwand und eine einiges bessere Absicherung (Krankheitstage bezahlt, Urlaub bezahlt, Kündigungsschutz von mind. 30 Tagen statt 1 Tag, Anspruch auf ALG1, ...). Dazu kamen halt noch die Versicherungen (Haftpflicht z.B.), die man als Freiberufler / Gewerbetreibender benötigt, um sich finanziell abzusichern.
Haftpflichtversicherung war bei mir damals z.B. ca. 1,5-2k€/Jahr und wurde vom "Arbeitgeber" vorausgesetzt mit hohen Deckungssummen von mehreren Millionen €.

Lagert man den Steuerkram komplett an den Steuerberater aus, sind das auch ein paar Tausende im Jahr, die er dafür bekommt - abhängig vom Umsatz (oder Gewinn? Bbin mir grad nicht ganz sicher.) der Firma.

Im Endeffekt lebt es sich als Angestellter auf jeden Fall einiges entspannter und die Work Life Balance ist viel besser. Dazu muss man sich nicht komplett eigenständig um seine Altersversorgung kümmern, sondern hat als Grundlage zumindest schon einmal die gesetzliche Rente (wenn man davon ausgeht, dass da dann noch etwas bei rum kommt, wenn man in Rente geht irgendwann).

Ich persönlich würde jedenfalls freiwillig nicht mehr wirklich zurückgehen wollen zur Selbständigkeit (außer vielleicht man hat eine entsprechende Qualifikation, dass man einen Tagessatz von 1500€ rechtfertigen kann und da nicht Vollzeit arbeiten muss).

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