Ich kann dazu nur sagen, ich kenne beide Seiten, sowohl die kleine 15 Mann Klitsche, (in der ich von Support bis Entwicklung, Adminstration inhouse und bei einem Kunden mit ca 80 Clients + Servern so ziemlich alles gemacht habe), als auch die Arbeit in meinem aktuellen Job, weltweit agierendes Unternehmen mit eigenen Abteilungen für die einzelnen IT Bereiche.
Ich kann beide Seiten also in ihrem Denken relativ gut nachvollziehen.
Natürlich versucht man, die Firma nicht gegen die Wand fahren zu lassen und natürlich holt man die Kohlen aus dem Feuer, wenn es brennt. Und wenn mal Überstunden anfallen, sagen die wenigsten Nein, schätze ich. Dennoch ist es ein No Go, wenn das wirklich ein Dauerzustand ist, noch dazu unvergütet, ja nicht einmal anerkannt und als selbstverständlich angesehen wird. Klar, welcher Chef sagt da schon "Nein, lass mal"? - Die wenigsten. Er kann ja immer noch sagen, er hat die Überstunden garnicht angeordnet. Und lügt dabei noch nicht mal. Obwohl er sie erwartet.
Als ich in der kleinen Klitsche gearbeitet habe, wurden meine Überstunden immer schön fleißig dem Kunden in Rechnung gestellt. Ich selbst hab nichtmal ein Danke dafür erhalten. Rufbereitschaft gabs keine, Anrufe aufs (Privat-)Handy aber genügend. Aber wie hier schon erwähnt, es gibt immer einen der es macht, und einen der es mit sich machen lässt, soll kein Gejammer sein. Es war mir aber eine gute Lehre.
Euere Vorschläge, wie das Unternehmen (und nicht ihr) da raus kommt in allen Ehren, aber das sollten nicht mal ansatzweise Themen für euch, sondern vielmehr für eure Führung sein. Gibt es kein Reporting? Meine Vorgesetzte kann ohne Reports nicht mal atmen. Eskalation ist hier das Zauberwort, dazu muss ich aber auch sagen, dass ich Eskalation auch erst in meinem jetzigen Job kennen gelernt habe. Das kann in kleinen Betrieben natürlich oft schwieriger sein, gerade wenn der "Abteilungsleiter" keinerlei Interesse hat, euch zu schützen. Aber solange es bei euch weiterhin irgendwie läuft, passt es ja, zumindest für die GF. Das ist halt Risikomanagemement. Würde es so oft knallen, dass es 3 - x mal günstiger wäre noch 2 Leute einzustellen, würde auch was passieren. Auch hier stinkt der Fisch vom Kopf, wie man so schön sagt.
Ich würde ja sagen, baut euch eine Ressourcenliste oder ähnliches, stellt die tatsächlich angefallene Arbeitszeit euer vertraglich geregelten Arbeitszeit gegenüber. Dann müsste ja am Ende des Monats eine Summe x Stunden rauskommen, die ihr als Team zusammen mehr geleistet habt, und das ist euer theoretischer Bedarf an Manpower. Umso länger ihr so eine Liste füllt, umso aussagekräftiger wird sie natürlich. Das Ganze wöchentlich/monatlich dokumentiert, per Mail an Abteilungsleiter, HR Verantwortlicher, GF, wen auch immer, oder alle kombiniert, und wenn dann die Einsicht nicht von selbst kommt, ein Gespräch mit Verweis aufs Arbeitsschutzgesetz.
Abschließend noch ein Tipp: Unbedingt wegbewerben, am Besten die Kollegen noch mitnehmen. Sollte das keine Option sein, dann 9 to 5, Feierabend = Feierabend, Urlaub = Urlaub. Es kann euch keiner einen Strick draus drehen wenn ihr "nur" eure vertraglichen Arbeitsbedingungen einhaltet. Und wenn es wirklich so ist, dass sich auf die offenen Stellen niemand bewirbt, sowieso nicht.
MAL Überstunden machen, MAL nach Feierabend ans Telefon oder ne SMS/Whatsapp beantworten, lass ich mir noch eingehen, gerade bei kleinen Firmen. Aber das war es dann auch. Wer das als Dauerzustand mitmacht... das grenzt mM an freiwilliger Selbstversklavung