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Studium nach Studienabbruch


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Hallöchen,

ich schau mal ob mir ein eigener Post hier mehr Klarheit verschaffen kann. Ich bin derzeit etwas mit meinem Gedanken verloren.

Ich werde vorraussichtlich zum Winter diesen Jahres meine Ausbildung zum FiAe abschließen. Vor der verkürzten Ausbildung habe ich solide 4 Jahre studiert (inkl. Urlaubssemester für ein Praktikum in der Industrie + Wechsel von Uni an FH nach 1. Semester). Studium war eigentlich jede Woche eine zähe Geschichte. Mein Start verlief sehr holprig und leider ist mir meine junge und naive Erwartungshaltung zu Beginn an der Universität komplett auf die Füße gefallen. Ich habe ja Theorie erwartet, aber ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen wie tief Theorie an der Uni gehen kann. Wie gesagt, naiv. Also erstmal Berufswahl/Studiengangwahl in Frage gestellt. Praktikumsstelle gesucht und glücklicherweise gefunden. Urlaubssemester eingelegt. (Dabei eine Frist versäumt - hatte es nicht auf dem Schirm, dass man für eine nichtbestandene Prüfung zwangs angemeldet wird, trotz Urlaubssemester)

Praktikum lief super. Die Arbeit mit den Kollegen hat richtig Spaß gemacht, war nur leider viel weniger Entwicklertätigkeit dabei als in der Stelle ausgeschrieben. Nur wie schon oben angedeutet, habe ich erstmal einen erneuten Fehlversuch erhalten. 

Fand das aber alles so inspirierend, dass ich gesagt hab Studium passt schon.  Weitermachen, aber schau dich vielleicht nach einer FH um. Haben einige während meines Praktikums erwähnt und wie es auch überall im Internet steht: Praktischer. Mit dem Damoklesschwert des zweiten Fehlversuchs und meiner kleinen Theorienaivität stand dem Wechsel nix im Wege. 

Das hat auch anfangs gut geklappt. Motivation war bedeutend besser. Das lies aber alles mit der Zeit nach. Praktischer ja, aber nicht praktisch genug. Ich wollte irgendwie wieder zurück zu meiner Arbeitsstelle. Da lief alles mit der Motivation wesentlich besser und ich hatte das Gefühl mein Wissen besser verknüpfen und erlernen zu können (zumindest den "praktischen" Teil des Studiums - z.B. Datenbanken)  

Leider waren meine Programmierkenntnisse.. naja.. in den Kinderschuhen. Also erstmal versucht durchzubeißen bis mal genug da war um Werkstudent zu werden. Ging alles nicht so auf. Motivation wurde zunehmend geringer (obwohl ich durchaus meine Prüfungen bestanden habe). Zusätzlich kam extremer Druck meinerseits dazu, dass ich mir neben dem ganzen Studium auch unbedingt in der Freizeit Webentwicklung o. ä. beibringen MUSS damit ich mal wieder echte Praxis machen kann. Corona hat dann alles nur noch anstrengender gemacht. Als ich dann endlich eine Stelle gefunden habe, hat mich das komplett ins K.O. gekegelt. Ich hab auf der Arbeit nichts verstanden und das sah nach 2-3 Monaten nicht besser aus. (Im Nachhinein würde ich vielleicht die Schuld eher auf die ganze Remote Geschichte und die schlechte asynchrone Kommunikation schieben). Das hat mein ganzes Motivationslevel gekippt und ich wollte einfach raus.

Zufälligerweise gabs eine Email bzgl. Studienabbruch und IHK Ausbildung. Das ging dann alles Ruck Zuck und ich hatte meinen Lebenslauf aufgebessert. Zahlreiche Bewerbungsgespräche geführt. So viel Motivation und Disziplin war ich nicht mehr seit dem Praktikum gewohnt. Nach 3 Wochen war der Ausbildungsvertrag unterschrieben. 

Im Betrieb habe ich enorm viel gelernt. Alles was während der Werkstudentenstelle absolut keinen Sinn gemacht hatte, führte zu einem Klick Moment nach dem Anderen. Ich hab ein viel besseres Gefühl das Zeug zum Entwickler zu haben und es macht einfach alles Spaß. 

So lange Geschichte, jetzt das Wesentliche: 

Meine Kollegen haben jetzt schon öfters verwundert reagiert, als ich meinte ich hab mein Studium abgebrochen und stattdessen "nur" die Ausbildung angepeilt. Viele meinten ich hätte auf alle Fälle das Zeug dazu und gefühlt vermittle ich auch den Eindruck ein einigen Stellen bereits fertig studiert zu haben.

Habe ich aber nicht.

Es gibt einfach einige Bereiche von denen ich kaum bis gar nichts aus dem Studium mitgenommen habe. Ich habe nicht komplett studiert, ich hab die Grundlagen der Grundlagenvorlesungen besucht und bestanden. Für komplexere Gebiete wie K.I. / Robotik fehlen mir absolut die Theorie. 

Wenn ich nochmal studieren will, dann jetzt. Nach der Ausbildung. Und dann richtig. Für die Theorie. Die Praxis krieg ich nicht von einer FH, sondern von der Arbeit. Aber ist das wirklich sinnvoll? Minimum drei Jahre für den Bachelor. Das ist auf jeden Fall ein Commitment.

Mein Gefühl sagt mir es wäre sinnvoll v. a. weil sich meine Erwartungshaltung geändert hat und ich muss mir auch keine Gedanken über verschlossene Türen wegen meiner Berufsausbildung machen. Gleichzeitig habe ich schon öfters gehört: Nach spätestens 10 Jahren interessiert in der IT eh keinen mehr welchen Abschluss du gemacht hast. Das trifft jetzt vielleicht noch zu, aber auch in der Zukunft?

Aber gleichzeitig ist mir auch richtig mulmig. Ich weiß wie unmotiviert ich durch das Alles wurde. Ich weiß wie motiviert ich jetzt auf die Arbeit gehe. Ich weiß aber nicht wie meine nächsten 30+ Jahre Arbeit aussehen sollen. 

Ich hoffe, ich habe niemandem mit meiner Textmauer erschlagen. 

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Hast Du Dir mal überlegt ob vielleicht ein Duales Studium für Dich in Frage kommt? 

Das wäre nach Deiner Beschreibung eigentlich der beste Weg um Praxis mit Theorie am besten zu vereinigen und auch die Motivation aufrecht zu erhalten um dann in absehbarer Zeit den ersehnten Studienabschluss zu bekommen. Und Du brauchst Dir über die Finanzierung keine Sorgen machen, Du brauchst nur einen AG der sagt: Ja, wir fördern Dich!

 

 

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Ich hatte duales Studium kurz bei meinem Wechsel an eine FH auf dem Schirm, aber war total abgeschreckt von den Erfahrungsberichten einiger Kollegen. Die meisten haben sich über die Organisation beschwert und vor allem das Zeitmanagement. 

Das wäre dann in meinem Fall eine Form von berufsbegleitendem Studium, oder? 

Ich kenne nur das Modell Ausbildung + Studium gleichzeitig, aber die Ausbildung hätte ich ja dann bereits. 

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Also ich habe jetzt bald ein duales Studium hinter mir, quasi blockweise in der Uni und blockweise im Unternehmen und kann durchweg positiv berichten. Es gibt natürlich stressige Phasen, aber das ist normal. Auch hier ist die Devise: Je früher du anfängst zumindest regelmäßig ein bisschen was zu machen, desto entspannter ist es. Kann ich dir wirklich nur empfehlen. Ich war persönlich auch nie der, der in Vollzeit im Hörsaal sitzen konnte bzw. zuhause dann "studiert" hat. Aber das duale Modell ist da wirklich eine perfekte Ergänzung.

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Geschrieben (bearbeitet)

Kommt dann das Studium nicht zu kurz? Ich hatte eher eine unverbindlichere Werkstudentenstelle im Kopf.

Und vielleicht auch nicht gleich im 1. Semester. Das war gefühlt mit das stressigste. 

Wenn ich mich nochmal in die Hörsäle setze, dann auch wirklich um die Themen mitzunehmen und die Zeit haben mich damit auch auseinander zusetzen. 

Bearbeitet von enten_dackel
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Die Frage ist, was willst du? Einfach einen Abschluss? Dann FH. Willst du jetzt wirklich die richtige Theorieschiene? Dann Uni.

Ein eher praktisch orientiertes Studium an der FH hätte den Vorteil, dass du mit deinen Kenntnissen einige Module mit links machen kannst. Richtig tiefgehende Theorie (Mathematik und theoretische Informatik) gibts aber eher an der Uni. Aber was willst du mit der ganzen Theorie dann anfangen? Was ist dein berufliches Ziel? Ein Uni-Studium bereitet auf forschende Tätigkeiten vor. Willst du in diese Richtung? Oder soll es nur ein B.Sc.-Abschluss werden, zwecks Karriere? Dann reicht FH auch aus.

Was sagt denn dein aktueller Arbeitgeber dazu? Der würde dich doch bestimmt gerne behalten. Da kann man mit dem sicherlich reden. Das duale Studium gibt es entweder im Blockmodell oder ganz normale Semester (bei mir ist/war das letztere der Fall).

Duales Studium hat den Vorteil, dass du die ganze Zeit Gehalt beziehst. Mit BaföG wird das nach dem abgebrochenen Studium wohl eher nichts mehr. Ne unverbindliche Werkstudentenstelle hat immer die Gefahr der Kündigung oder zu wenig Geld dabei (gut eher unwahrscheinlich, aber du verstehst, was ich meine) Oder ist Geld egal, weil fremdfinanziert?

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Forschung wird es auf jeden Fall nicht. Die Einblicke, die ich bereits hatte, waren absolut nichts für mich. 

Ich kann ehrlich gesagt aus meiner derzeitigen Situation nicht wirklich sagen, ob ich langfristig bei der Webentwicklung als Karriereweg bleiben möchte. Und ansonsten hab ich mir selbst bisher nichts in der Ausbildung beigebracht. Die "Theorie" an der Berufsschule ist ja wirklich ein komplett anderes Niveau als an einer Uni/FH. Fühle mich dadurch jetzt nicht unbedingt zukunftssicher, wenns doch mal in komplexere Themengebiete gehen sollte.

Und gerade Themen wie Machine Learning, Robotik, Embedded Systems, ... habe ich während meiner Studienzeit nicht kennen gelernt. Die Themen im kompletten Selbststudium beizubringen wirkt für mich eher unrealistisch.

Finanzierung wird auf jeden Fall eine Rolle spielen, falls ich dann in die höheren Semester komme. Bis dahin habe ich eine finanzielle Absicherung. Geregeltes Gehalt wäre aber auf alle Fälle trotzdem nicht schlecht. 

Ich würde mir nur ungern jetzt in den 20ern Karrierewege verbauen, weil ich zu bequem war mich wieder in einem Hörsaal zu setzen. 

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Ich würde mal beim Arbeitgeber nachfragen ob der deine Studienpläne finanziell oder anders unterstützen kann und möchte. Weil ich hätte an deiner Stelle keine Lust mehr 4-5 Jahre von 1000 Euro monatlich zu leben. Ich welchem Bundesland lebst du? Wenn nrw würde ich mich über das Verbundstudium informieren 

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Geschrieben (bearbeitet)

Bei meinem derzeitigen Arbeitgeber habe ich eher schlechte Karten. Ich bin auch noch derzeit unsicher, ob ich nicht nach meiner Ausbildung Arbeitgeber wechsle. Wir hatten bisher noch kein Verhandlungs- bzw. Übernahmegespräch. Das mit dem eingeschränkten Gehalt ist auf jeden Fall ein Nachteil. 

Edit: Nein, komme aus Bayern.

Bearbeitet von enten_dackel
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