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Hallo zusammen,

ich bin seit neuem Prüfer und habe aktuell Anträge zur Genehmigung vorliegen.
Der Ausschuss ist hierfür neu geformt worden. Ein erfahrener Prüfer und zwei Neulinge.
Mit diesem habe ich bisher alle Meinungen teilen können.
Bei dem anderen widerum habe ich das Problem, dass dieser anscheinend kaum Anforderungen, ob technisch oder inhaltlich, an die Anträge stellt.
"Hauptsache der Azubi zeigt in dem Projekt, dass er alles verstanden hat."
Aber ob das in dem Antrag wirklich ein Projekt ist oder fachlich überhaupt ausreicht, spielt hier wenig, bis garkeine Rolle...

Ich möchte keine Details nennen, da dieser Beitrag gerne anonym bleiben soll.
Ein Klärungsgespräch ist auch schon vereinbar zwischen allen drei Parteien.

Ich wollte nur Fragen, wie Ihr sowas händelt, bzw. ob ihr solche Erfahrungen auch sammeln konntet.

Nopp

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Wir richten uns grundsätzlich nach dem, was die IHK uns vorgibt und unserer beruflichen Erfahrung. Ein einzelnes SQL-Statement, verpackt in einem Batchjob z. B. hätte nicht die nötige Tiefe, egal wie schön es dokumentiert wird.

Gleichzeitig müssen wir die Realität der jeweiligen Betriebe berücksichtigen. Es gibt genug Betriebe, die erledigen weniger anspruchsvolle Tätigkeiten. Wenn dort solche Arbeit verrichtet wird (häufig wird das aus der Beschreibung des Unternehmens ersichtlich) kann man nicht darauf hoffen, von diesem Prüfling ein Premiumprojekt zu erhalten. Da wird es auch mit dem x. Antrag nicht besser.

Somit setzen wir ein Mindestmaß an Leistung voraus, lassen immer wieder Anträge zurückgehen, aber auch immer wieder welche durch, bei denen wir uns denken "Wir können nicht den Prüfling für seinen Betrieb bestrafen".

Ist keine einfache Frage. Deswegen seid Ihr zu dritt. :)

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Ich kenne das so daß neue Prüfer erstmal "mitlaufen" und sich die Geflogenheiten ansehen können...

Im Zweifel ist der Auschußvorsitzende dafür verantwortlich, daß die Kammervorgaben eingehalten werden.

DU bist Prüfer. Wenn DU der Meinung bist dass ein Thema nicht ok ist musst DU das zur Sprache bringen und IHR entscheidet gemeinsam. Das ist Deine Aufgabe als Ehrenamtler

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vor 1 Stunde schrieb charmanta:

DU bist Prüfer. Wenn DU der Meinung bist dass ein Thema nicht ok ist musst DU das zur Sprache bringen und IHR entscheidet gemeinsam. Das ist Deine Aufgabe als Ehrenamtler

Okay, danke. Dann sind wir da einer Meinung.

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Also auch bei uns ist es so, dass hier das fachliche passen sollte. Man stellt sich hier die Frage ob man diese Person auf die IT-Welt loslassen kann. Wir verweigern z.B. Anträge die uns zu flach und nicht dem Berufsbild entsprechend sind.

Jeder Ausschuss legt seinen Rahmen ein wenig selbst fest, wobei die Vorgaben der IHK beachtet werden sollen. Wir möchten z.B. die Entscheidungen der Prüflinge sehen. Klick und Weiter wollen wir nicht sehen, sondern das die Person sowohl Kaufmännisch als auch technisch die Sachen aufbauen und verarbeiten kann. Auch die Entscheidungsfindung ist für uns relevant. Ob er ein Windows installieren kann mit Klick und weiter ist für uns daher zu wenig.

Sonst fragt bei eurer IHK nach wie deren Vorgaben sind.

Wie du selbst sehen kannst sind hier im Forum einige Anträge die ich ohne weitere Auflage genehmigen würde. Einige nur mit Auflagen und auch mehrere die ich direkt ablehnen würde, da dies einem FiSi nicht entspricht - also zu flach ist, keine Entscheidung getroffen wird, etc.

Ich setze mich auch im Prüfungsausschuss durch, wenn ich da meine Zweifel habe und argumentiere. Natürlich hat dieses immer den Effekt, dass du das dann begründen musst, dieses schriftlich festhalten, der IHK mitteilen die dann wiederrum dem Prüfling dieses mitteilt. Leider ein etwas aufwendigeres Verfahren, was aber notwendig ist. Am einfachsten ist es, wenn du alles durchreichst, aber möchte man das ?

Beispiel:
Ich baue ein WLAN auf, Kabel werden vom Elektriker gezogen und alles montiert. Ich stelle auf dem AP einfach nur Verschlüsselung und Internetanbindung zur Verfügung. Hardware wird vom AG bereitgestellt und liegt hier schon. Sorry, sowas wird abgelehnt, da die Tiefe nicht zu erkennen ist. Würde man das soweit stricken, dass man eine Vergleichsmatrix (NWA) erstellt, die Auswahl danach trifft, die Anforderungen geklärt hat welche Verschlüsselung z.B. mit Zertifikaten usw. durchführt und dazu noch eine CA aufsetzen muss in einer Domäne, dann finde ich das ok fürs genehmigen.

Aber das Gefühl wird kommen, denn du bist dafür verantwortlich was dort genehmigt und wie es genehmigt wird. Daher stelle ich mir die Frage, kann der zukünftige FiSi das und kann er im Beruf weiterkommen. Hat er es verstanden oder nur ein Min-Max Prinzip und eigentlich keine Ahnung.

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Am 19.3.2019 um 11:28 schrieb Nopp:

Aber ob das in dem Antrag wirklich ein Projekt ist oder fachlich überhaupt ausreicht, spielt hier wenig, bis garkeine Rolle...

Das ist unpraktisch. Noch unpraktischer ist aber, wenn der "alte Hase" und Du den etwas entspannteren Kollegen nun aber konsequent in seiner Meinung überfahrt. Die Verordnung ist an supervielen Stellen sehr vage, an genau dieser Stelle empfinde ich sie aber ausreichend konkret:

Zitat
  1. in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung in insgesamt höchstens 70 Stunden für die Projektarbeit einschließlich Dokumentation:
    1. Erstellen oder Anpassen eines Softwareproduktes, einschließlich Planung, Kalkulation, Realisation und Testen,
    2. Entwickeln eines Pflichtenheftes, einschließlich Analyse kundenspezifischer Anforderungen, Schnittstellenbetrachtung und Planung der Einführung;
  2. in der Fachrichtung Systemintegration in insgesamt höchstens 35 Stunden für die Projektarbeit einschließlich Dokumentation:
    1. Realisieren und Anpassen eines komplexen Systems der Informations- und Telekommunikationstechnik einschließlich Anforderungsanalyse, Planung, Angebotserstellung, Inbetriebnahme und Übergabe
    2. Erweitern eines komplexen Systems der Informations- und Telekommunikationstechnik sowie Einbinden von Komponenten in das Gesamtsystem unter Berücksichtigung organisatorischer und logistischer Aspekte einschließlich Anforderungsanalyse, Planung, Angebotserstellung, Inbetriebnahme und Übergabe.

 

Denke, euer Schlichtungstermin sollte das zum Ziel haben, dass ein genehmigtes Projekt diesen Anforderungen genügt.

"Komplex" mag man noch unterschiedlich bewerten können, aber alleine die Eckdaten legen den Rahmen schon recht gut fest - wenn weniger beschrieben wird, kann man doch gut argumentieren, dass ein Antrag eben den Anforderungen nicht genügt - und wenn der es nicht tut, ist die Gefahr recht groß, dass es auch die Doku nicht tun wird. Den Antrag zurückzugeben ist ja auch keine Aktion, die dem PA dient, sondern dem Prüfling eine Warnung sendet: "Hey, da fehlt n bissl was". Wenn er das vor Antragsgenehmigung nicht erfährt, rennt er ja automatisch in die Falle einer gemäß eurer IHK ungenügenden Doku & Präsentation. (mit dem Argument erreiche ich i.d.R. so einen "ach ja, stimmt"-Moment von unserem Softie)

Ich streite mich gerne und regelmäßig mit meinen Kollegen und wir müssen dann eben einen Weg finden, unsere Meinungen insoweit anzunähern, dass eine Genehmigung für alle drei vertretbar ist - oder eben nicht.

Lieber fetze ich mich bei nem Antrag und halte die Birne für eine Negativentscheidung hin, als mich hinterher über eine schlechte Doku zu ärgern.


Ansonsten gibt's vermutlich auch bei euch die Möglichkeit der Hospitation bei anderen PAs (sagte Charmanta ja schon). Frag doch mal bei Deiner IHK nach sowas. Da sitzt man dann i.d.R. bei einem eingespielten Team von drei Prüfern und man kann sich in aller Regel auch hilfreiche Tipps zur Bewertung von Anträgen abholen. Die Kollegen geben ihre Bewertungskriterien i.d.R. sehr gerne weiter und sie bilden einen guten Ausgangspunkt für weitere Justierungen.

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Am 20.3.2019 um 10:08 schrieb Bennox:

Aber das Gefühl wird kommen, denn du bist dafür verantwortlich was dort genehmigt und wie es genehmigt wird. Daher stelle ich mir die Frage, kann der zukünftige FiSi das und kann er im Beruf weiterkommen. Hat er es verstanden oder nur ein Min-Max Prinzip und eigentlich keine Ahnung.

Sehr interessant. Ihr erkennt also, am Projektantrag, ob der FISI Ahnung hat oder nicht? Da hätte man eher erwartet, dass man das anhand des durchgeführten Projektes und dem sich anschließenden Fachgespräch feststellt.

Bei der Befähigung des PA kann man sich das dann ja fast sparen.

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vor 23 Stunden schrieb WYSIFISI:

Sehr interessant. Ihr erkennt also, am Projektantrag, ob der FISI Ahnung hat oder nicht? Da hätte man eher erwartet, dass man das anhand des durchgeführten Projektes und dem sich anschließenden Fachgespräch feststellt.

Bei der Befähigung des PA kann man sich das dann ja fast sparen. 

Mal ohne Sarkasmus: wir bekommen mit der Zeit ein Gefühl hierfür. Meine persönliche Erfahrung zeigt dass ich hier leider auch recht häufig richtig liege. Aber die Fachkompetenz in einer paritätisch festgestellten Note gibts nur durch die Erfüllung der Arbeit. Ein Gefühl, ob man einen sehr guten, durchnschnittlichen oder wackeligen Kandidaten vor sich hat haben wir häufig schon beim Antrag.

Da wir über eine staatliche Prüfung reden und in (Papier-)Deutschland leben brauchst Du auch keine Angst haben ... Präsenzprüfungen werden bleiben solange die Sonne jeden Tag scheint :D

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