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Rentiert sich ein Studium nach der Ausbildung?


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Hallo zusammen,

Ich arbeite momentan seit gut 2 Jahren als Backend Entwickler im Web Bereich. Stehe so ungefähr ein Jahr vor der Beförderung zum Senior Software Engineer.

Vorher habe ich eine Matura (In Deutschland wohl Abitur 🙂) an einer HTL im Bereich Wirtschtsinformatik abgeschlossen. (In Österreich, weiß nicht ob's sowas ähnliches auch in Deutschland gibt. Im Prinzip Abitur mit zusätzlicher fachlicher Ausbildung, hat 5 Jahre gedauert)

Aktuell arbeite ich 70%, und studiere Teilzeit in einem Bachelor Informatik-Studiengang. Bin jetzt im 2 Semester. Das erste ist soweit gut gelaufen. Regelstudienzeit beträgt 9 Semester.

Arbeite und wohne in der Schweiz. Das Studium kostet mich jetzt noch so ca. 85k CHF, wenn ich den Arbeitsausfall, Studiengebühren und sonstige Mehrkosten rechne.

Ich frage mich mittlerweile, ob das der richtige Weg für mich ist. Und sich das ganze finanziell wirklich lohnt. Oder ich nicht besser fahre wenn ich mich selbständig an den Wochenenden die momentan das Studium konsumiert weiterbilde. Mittlerweile habe ich den Eindruck dass ich dadurch effizienter lernen könnte.

Mir ist bewusst dass ein Studium in einigen Bereichen wie zB. Machine Learning mit Sicherheit sehr viele Vorteile bringt. Momentan denke ich dass ich in Richtung Custom Application Entwicklung gehen möchte. 

Ich würde gerne ein paar Meinungen einholen was ihr darüber denkt. Ist der Lohnsprung wirklich so signifikant? Oder "amortisiert" sich das Studium dann erst nach ~15 Jahren? Ist es den Aufwand Wert?

Mein langfristiges Ziel ist eine Software Architekten Rolle.

Schon mal Danke für eure Antworten 🙂

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Die Frage lässt sich so pauschal ehrlich gesagt nicht beantworten. Es kommt darauf an, welches Ziel du mit dem Studium verfolgst.

Geht es dir um das Erwerben von Wissen? Dann bist du mit Eigenstudium vermutlich besser bedient.

Geht es dir um den Abschluss? Viele Betriebe in Deutschland achten leider noch immer sehr stark auf den höchsten Bildungsabschluss und weniger darauf was man kann. Vor allem bei Festlegung des Gehalts. Je mehr Berufserfahrung man hat, desto unwichtiger wird der Abschluss allerdings. Da du schon 2 Jahre arbeitest, ist fraglich ob der Punkt für dich von Bedeutung ist.

Geht es dir darum Methodiken zur Bewältigung von Problemen zu lernen? Dann bist du mit einem Studium gut bedient. Was das Studium für Arbeitgeber so interessant macht ist nicht nur das erworbene Wissen, welches nach einigen Jahren ohnehin überholt ist, sondern dass man mit Bestehen des Studiums nachweist, dass man in der Lage ist Probleme strukturiert anzugehen und zu Lösen. Dass man abstrakt Denken kann und in der Lage ist seinen Horizont zu erweitern. Dass man sich in kurzer Zeit neue Themen erarbeiten kann und diese genügend durchdringt um eine Prüfung zu bestehen. Das spielt im Grunde wieder in das rein was ich oben geschrieben habe. Nachweis für den Arbeitgeber.

Für mich persönlich hat sich das Studium finanziell sehr gelohnt. Ich habe vorher eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration gemacht und danach ein Studium der Informatik mit Schwerpunkt IT Sicherheit. Mein Gehalt hat sich in den letzten 6 Jahren verdoppelt. Ob das für dich auch gilt hängt davon ab wie viel du derzeit verdienst und wie die zukünftigen Verdienstaussichten in deinem Bereich mit deiner Qualifikation sind. Ein Studium ist nicht der einzige Weg zu einem guten Verdienst, vor allem wenn du schon im Berufsleben stehst.

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Vielen Dank für deine Gedanken. Das hilft mir schon mal sehr was zu hören von jemandem der weiter ist wie ich 🙂

Einerseits ist die Idee natürlich dass ich mit dem Abschluss dann auch mehr verdiene, und sich weitere Jobchancen auftun. Andererseits möchte ich natürlich auch was lernen. Grundlagenwissen wie auch Methodiken. Betriebssysteme & Automaten und Sprachen fand ich zum Beispiel sehr interessant. Bei sowas wie Algorithmen & Datenstrukturen hab ich mir gedacht da hätte ich mich genauso hinsetzen können und ein Buch darüber lesen und mich mit dem Thema befassen, wäre zielführender gewesen.

Als Alternative zum Studium habe ich mir überlegt diese Grundlagen-Themen selbständig zu erarbeiten.

Nebenher das ein oder andere Side Project zu machen. Ab und an mal einen Blog Post über ein Thema. Das ist die letzte Zeit aufgrund des Aufwands für das Studium auf der Strecke geblieben

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Ohne Studium stößt man in Deutschland schnell "an die gläserne Decke", weil in vielen Unternehmen nur  Akademiker Karriere machen dürfen und somit auch entsprechend mehr verdienen.

Wenn Dein Ziel Anwendungsentwicklung oder Systemadministration ist, ist das Studium überflüssig. Dazu reicht eine einfache Ausbildung.

Willst Du aber eigene Entscheidungen über Architekturen treffen oder Führungskraft werden, ist das Studium sehr hilfreich (besonders in Großunternehmen!). Mir wurden beruflich immer wieder als FISI Steine in den Weg gelegt "weil mir das Studium fehlen würde". Deshalb habe ich Informatik studiert. Jetzt bin ich kurz vor dem Bachelor-Abschluss und ich kann mir meinen Job  aussuchen. Die vorherige Berufserfahrung wird sogar angerechnet.

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Ich habe das Praktikum (Praxissemester) angerechnet bekommen, wie auch "Rechnerkommunikation und -netze"  (VNS) und "Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre" (BWP). Ich habe die beiden Unterrichtsfächer noch mit Noten übernommen bekommen. Das wird aber jetzt nur noch "ohne Noten" praktiziert (reine ECTS übernehmen).

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vor 56 Minuten schrieb Leonardo173:

Einerseits ist die Idee natürlich dass ich mit dem Abschluss dann auch mehr verdiene

[...]

Als Alternative zum Studium habe ich mir überlegt diese Grundlagen-Themen selbständig zu erarbeiten.

Wenn es dir um den Verdienst geht, ist das Studium keine schlechte Wahl. Wie bereits geschrieben, achten deutsche Unternehmen sehr stark auf den Abschluss, vor allem bei der Einstufung des Gehalts. Dass du dir Grundlagen im Selbststudium erarbeitet hast, lässt sich bei der Bewerbung nicht belegen. Da wiegt ein abgeschlossenes Studium schwerer.

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  • 2 Wochen später...
Am 6/22/2020 um 10:47 AM schrieb TooMuchCoffeeMan:

Studium der Informatik mit Schwerpunkt IT Sicherheit.

Kannst Du hier ein bisschen mehr erzählen? Fernstudium? Wo hast du das gemacht? Was für Themen wurden gelehrt? In wie Fern könntest du die Kenntnisse aus der Ausbildung nutzen? War es relativ einfach oder zu schwer (spricht keine Freizeit)?

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vor 13 Stunden schrieb Der Grieche:

Kannst Du hier ein bisschen mehr erzählen? Fernstudium? Wo hast du das gemacht? Was für Themen wurden gelehrt? In wie Fern könntest du die Kenntnisse aus der Ausbildung nutzen? War es relativ einfach oder zu schwer (spricht keine Freizeit)?

Das war ein Vollzeit Studium. Ich habe während der Ausbildung Geld zurücklegen können, da ich bei meinem Vater gewohnt habe. Damit habe ich dann die Studiengebühren von damals 500€ pro Semester (+Studienbeitrag von ~200€) bezahlt. Studiert habe ich an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und bin täglich 2 Stunden (einfache Strecke) dorthin gependelt. Die HBRS hatte zu der Zeit einen sehr modernen, gerade neu gebauten Campus und einen guten Ruf im Bereich Informatik.

Studiert habe ich Computer Science (Angewandte Informatik). In den späteren Semestern konnte man sich zwischen verschiedenen Wahlfächern entscheiden. Dort habe ich dann ausschließlich die IT Sicherheitsvorlesungen belegt. Durch die Nähe zu Bonn hatten wir 3 promovierte Gastdozenten vom BSI, die diese Kurse gehalten haben. Dabei ging es von Penetration Testing, über Verschlüsselungstechniken mit elliptischen Kurven zu Infrastruktursicherheit + mobiler Sicherheit (Wlan, Bluetooth) bis zu Common Criteria und ISO 27001. 

Kenntnisse aus der Ausbildung konnte ich vor allem im Bereich Netzwerktechnik und Betriebssysteme gebrauchen. Die Basics hatte ich in der Berufsschule alle schon mal gehört und konnte mich daher besser auf den neuen Stoff konzentrieren. Die Basics aus der Beurfsschule hatten wir allerdings innerhalb von 2 -3 Vorlesungen abgehandelt, danach kam nur noch neuer Stoff.

In den ersten 3 Semestern haben wir sehr viel Mathematik gehabt (Algebra, Theoretische Informatik 1+2, Statistik, Graphentheorie etc.). Graphentheorie ist mir leicht gefallen, da es hauptsächlich abstraktes und logisches Denkvermögen erfordert. Außerdem fand ich die Themen sehr interessant. Die größten Probleme hatte ich anfangs mit Algebra und Theoretischer Informatik. Das war mit nichts aus dem Abitur oder der Ausbildung vergleichbar. Nachdem mich die Berufsschule größtenteils unterfordert hat und ich dort deshalb nie lernen musste, hat mich das erste Semester Informatik auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Da wurde gnadenlos ausgesiebt. Die Durchfallquote von Algebra lag zeitweise bei über 60%. Das war vom Dekan so gewollt und wurde durch regelmäßige Testklausuren (1x pro Woche) ermöglicht. Dadurch wurde das Niveau des Jahrgangs ermittelt und die Klausur am Ende entsprechend angepasst, so dass mindestens 50% durchfallen. Man wollte das Niveau des Abschlusses hoch halten.

Man muss schon eine gewisse Affinität zu abstrakten Problemstellungen haben und logisch Denken können. Man kann viel mit sturem Lernen schaffen, aber gerade die beweislastigen Klausuren in Algebra setzen voraus, dass man den Stoff nicht nur auswendig gelernt sondern wirklich verstanden hat. Von den gut 300 Leuten die mit mir angefangen haben, haben Viele in den ersten 3 Semestern das Handtuch geworfen. Einige Genies haben den Studiengang in Regelzeit geschafft. Die meisten haben 2 Semester länger gebraucht. 

Freizeitmäßig kommt es darauf an wie schnell man den Stoff versteht und wie schnell man die gestellten Aufgaben löst. Für die Matheklausuren habe ich mit Sicherheit mehr Zeit aufgewandt als für die anderen Klausuren. Da ich nie der Musterstudent war, habe ich nie mehr als ein paar Stunden am Stück gelernt. Danach war ich in der Regel nicht mehr aufnahmefähig. Keine Ahnung wie Leute 8 Stunden durchlernen. Das hab' ich nie getan.

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vor 3 Stunden schrieb TooMuchCoffeeMan:

Die Durchfallquote von Algebra lag zeitweise bei über 60%. Das war vom Dekan so gewollt und wurde durch regelmäßige Testklausuren (1x pro Woche) ermöglicht. Dadurch wurde das Niveau des Jahrgangs ermittelt und die Klausur am Ende entsprechend angepasst, so dass mindestens 50% durchfallen. Man wollte das Niveau des Abschlusses hoch halten.

Wo hört Niveauerhaltung auf und wo fängt Etilitarismus an...
Die Durchfallquote in so einem Modell hat ja erstmal wenig mit dem Niveau des Kurser/der Kursteilnehmer zu tun...da könnte eine Reihe Superhirne sitzen udn eine Reihe Ultra-Superhirne und ein eingebildeter Dekan siebt die SUperhirne aus, damit er sich an seiner Quote aufgeilen kann... Von sowas hat glaube ich @Zaroc schon mal bei einem Mathe-Prof berichtet...jämmerliches Verhalten...

 

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vor 49 Minuten schrieb Bitschnipser:

Wo hört Niveauerhaltung auf und wo fängt Etilitarismus an...

Schwierige Gradwanderung. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass man das Niveau eines Studienabschlusses hoch hält. Das ist auch in meinem Sinne als Absolvent. Auf der anderen Seite darf man es natürlich nicht übertreiben.

vor 49 Minuten schrieb Bitschnipser:

da könnte eine Reihe Superhirne sitzen udn eine Reihe Ultra-Superhirne und ein eingebildeter Dekan siebt die SUperhirne aus, damit er sich an seiner Quote aufgeilen kann

Dein Beispiel ist natürlich albern. Ich verstehe schon worauf du hinaus willst, aber in keinem Jahrgang sitzen nur "Superhirne" verschiedener Abstufungen. Und wenn dem so wäre, würde dem Professor durch die Probeklausuren mit Sicherheit auffallen, dass er da einen außergewöhnlich guten Jahrgang vor sich hat und es mit dem Schwierigkeitsgrad nicht übertreiben. Zumal du den Schwierigkeitsgrad auch nur bis zu einem gewissen Grad anziehen kannst, wenn alle Klausurteilnehmer den Stoff komplett durchdrungen haben. Deswegen halte ich dein Beispiel für albern.

Man könnte sich stattdessen die Frage der Fairness stellen. Es gibt stärkere und schwächere Jahrgänge. Also gibt es auch "leichte" und "schwere" Klausuren. Ist es im Sinne der Chancengleichheit fair die Klausur mit einem starken Jahrgang zu schreiben? Ist es fair, dass Jemand der den Stoff weniger gut durchdrungen hat durchkommt, nur weil er die Klausur mit einem schwächeren Jahrgang gemeinsam geschrieben hat und dadurch ins Mittelfeld gerückt ist? 

Anforderungen sollten vergleichbar und transparent sein. Ich muss wissen was ich leisten muss um die Klausur bestehen zu können. Wenn die Klausur stark in ihrem Schwierigkeitsgrad schwankt, ist das nicht mehr gegeben. Das ist das Problem.

Bearbeitet von TooMuchCoffeeMan
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Am 6/22/2020 um 8:06 AM schrieb Leonardo173:

Mein langfristiges Ziel ist eine Software Architekten Rolle.

Mit dem Satz hat sich die Frage geklärt: Ja, Du solltest studieren.

Egal, was es kostet und egal, wie lange es dauert. Je höherwertiger, desto besser. Dein Ziel wirst Du anderweitig nur sehr viel schwerer erreichen, ggf. gar nicht.

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