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Fachinformatiker - Blog

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Mitwirkende

Erfahrungsbericht 25. intrinsify.me wevent in Berlin

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Hallo Welt!

Ein unfassbar anstrengendes, aber inspirierendes und motivierendes Wochenende liegt hinter mir. Nachdem mich ein sehr geschätzter Kollege bei einer firmeninternen Vorstellung des "Augenhöhe"-Films und des Projekts im Frühjahr 2014 sehr mit der ganzen "New Work, Systemtheorie, Sinnkopplung im Job"-Materie angefixt hatte, fasste ich den Entschluss, mich damit stärker zu befassen.

intrinsify.me-Logo

Seit Montag bin ich jetzt Mitglied dieses Netzwerks, das sich "intrinsify.me" nennt, und ich möchte diesen Blogpost nutzen, um euch gleichermaßen das Netzwerk und das "Wevent" vom Wochenende vorzustellen. Der Post fällt daher etwas länger aus als gewohnt, aber ich kann mich hier nicht kürzer fassen, ohne den Kern der Sache ordentlich zu beschreiben.

happy working people - Das Netzwerk

Das intrinsify.me-Netzwerk, welches seit 2011 besteht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Austausch- und Vernetzungsplattform für Menschen anzubieten, die sich mit den Themen "Sinnkopplung im Job" und vielen anderen, die sich dem Buzzword "New Work" zuschreiben lassen, beschäftigen. Gegründet wurde es von Mark Poppenborg und Lars Vollmer ursprünglich als Beratungsunternehmen. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Zweck jedoch hin zu der jetzt so existierenden Austauschplattform gewandelt, die natürlich auch noch Beratungs- und Schulungsleistungen anbietet.

Es heißt immer: Arbeit ist das halbe Leben. Und meistens steht »Arbeit« für die Hälfte, die weniger Spaß macht.[...]
http://intrinsify.me/ueber-uns.html

Dabei gilt stets die Annahme, dass ein erfolgreiches Unternehmen nicht aufgrund seiner Kultur erfolgreich ist und die Kollegen deswegen gut zusammenarbeiten, sondern die Kultur eine Begleiterscheinung des Erfolgs ist. Eine Firma, die durch Freiräume eine "gesunde", auf echtem Vertrauen basierte Kultur ermöglicht, wird in aller Regel nicht oder weniger mit "unter den Tisch gekehrten" Problemen zu tun haben. "Die haben so eine gute Kultur bei Google, deswegen sind die so erfolgreich." ist nach dieser Auffassung nämlich ein Trugschluss. Ich skizziere mal ein Beispiel:

Fall 1:

Das Unternehmen "BuzzwordSoft", eine aus einem 250.000 Mitarbeiter starken Konzern ausgegliederte Tochtergesellschaft, hat zuletzt eine hohe Rate an Fehlern und Reklamationen im Produktivsystem ihrer Datenbewirtschaftungssoftware festgestellt. Ein besonders kritischer Fehler führte dazu, dass ein Kunde sich beschwerte und mit Kündigung des Systems drohte. Während der Analyse fällt auf, dass aufgrund von akutem Kundendruck ein Entwickler "unter der Hand" Änderungen ins Produktivsystem eingespielt hat, ohne dies mit seinen Kollegen abzusprechen oder einen ausführlichen Test der Anwendung nach dem Testprotokoll 27.4, Version 12, Paragraph 3, Absatz 5 durchzuführen.
Das Unternehmen mahnt seinen Mitarbeiter ab, schickt dann aber als Versöhnungsmaßnahme die ganze Abteilung im Anschluss verpflichtend in den Kletterwald, um Vertrauen untereinander zu schaffen.
Der Mitarbeiter begibt sich aktiv auf Jobsuche.


Fall 2:

Das Team im Startup "DataNerds from outer space" hat die gleiche Situation wie die Firma BuzzwordSoft. Nur gehen sie damit anders um.
Sie erkennen, dass zwar letztendlich der Mitarbeiter den "Bock geschossen hat", in einem klärenden Gespräch unter Kollegen kommt jedoch heraus, dass dieser privat momentan viel Stress hat und der direkte Kundendruck das Fass zum Überlaufen brachte. Er wollte das Problem einfach schnell beheben; leider war er damit nicht erfolgreich.
Das Team stellt fest, dass der einzelne zwar "den Fehler" begangen hat, dieser jedoch mit einem Prozess aus Unit Tests, Integrationstests, einer automatisierten Build Pipeline und 4(oder mehr)-Augen-Reviews gar nicht erst passiert wäre, unabhängig von der privaten Situation des Kollegen. Statt den Kollegen zu vergraulen beschwichtigt man den Kunden und beginnt, das Produkt robuster zu designen und eine automatisierte Buildpipeline mit frei verfügbaren Open Source Tools zu erstellen.
Der Mitarbeiter fühlt sich als Mensch wahrgenommen und geht trotz des Vorfalls gern zur Arbeit.

Anfahrt nach Berlin. Hagel. Gewitter. Die Frisur hält.
Anfahrt nach Berlin. Autobahn A2. Hagel. Gewitter. Die Frisur hält.

Natürlich sind die beiden Beispiele stark überzeichnet. Jedoch dienen sie meiner Meinung nach gut der Veranschaulichung, wie unterschiedlich man je nach Kontext, Systemumgebung und Sozialisierung mit Problemen umgehen kann. Solche und ähnliche Fragestellungen werden oft von den Mitgliedern des Netzwerks beleuchtet. Der Hintergrund hier ist, dass wir in unserer modernen, von Dynamik geprägten Arbeitswelt mit den Methoden klassischen Managements oft nicht mehr weiterkommen.
Und damit man sich dazu nicht nur im Internet oder auf den sogenannten "intrisify.meetups"(eine Art Stammtisch, ähnlich wie User Group-Treffen) austauscht, gibt es mittlerweile im 2-Monats-Turnus die sogenannten "Wevents", auf denen man mit dem Rahmen "Open Space" diskutieren, Lösungen erarbeiten und sich mit seinen unterschiedlichen Hintergründen und Fragen begegnen kann.

"Ich will nicht nach Berlin♪♫" - Das Wevent

Ein paar Entscheidungen zur Planung und Finanzierung, eine Buchung per AirBnb, eine gepackte Reisetasche und 5 Stunden Autofahrt durch Gewitter und Hagel später waren mein Kollege und ich dann endlich in Berlin angekommen. Freitag Abend gab es ein Warm-Up zum Kennenlernen im Wirtshaus Max und Moritz. Hier konnte man sich schon mal gegenseitig zu Speis und Trank beschnuppern und bekam einen kleinen Eindruck vorab, wie die Stimmung am Wochenende werden sollte(Spoiler: Verdammt gut).

Sessionsammlung vom Samstag
Sessionsammlung vom Samstag - Entscheiden, du dich musst!

Samstag "früh" um 9:00 war dann Einlass in der Forum Factory, einer ziemlich coolen Location, die als Tagungs-, Seminar- oder Gallerieraum dienen kann. Nach einer kurzen Vorstellung der Open Space-"Grundsätze" ging es dann auch schon an die Sessionplanung. Jeder konnte Themen einbringen, die dann parallel in verschiedenen Räumen diskutiert werden konnten. Der Charakter der Session war jedem selbst vorbehalten. So gab es z.B. eine Session "Wieviel(sic!) Persönlichkeit braucht Future Leadership?", in der eine Diskussion im Fishbowl-Format der Kern war. Andere Sessions waren ein "einfacher" Erfahrungsaustausch im Gespräch, die Möglichkeiten zur Moderation und zum Austausch waren jedem selbst überlassen.
Neben dem eigentlichen Inhalt der Sessions hat mich am stärksten die Haltung der Teilnehmer im Gespräch beeindruckt. Es herrschte eine unfassbar große Offenheit, eine hohe Reflexionstiefe und ein sehr ehrlicher Umgang mit Kritik. Bei vielen Gesprächen war implizit eine Vertrauensebene vorhanden, auch mit persönlichen Themen "nach außen" zu gehen, weil einfach eine Wohlfühlstimmung und ein "Hier kann ich ich sein"-Gefühl im Raum standen.

Vegane Leckereien, bereitgestellt vom "Supermarkt-Team"
Vegane Leckereien, bereitgestellt vom "Supermarkt-Team"

Samstag Abend gab es die Option, sich im Café brennBar zu Abendessen und weiterem informellen Austausch und Netzwerken zu versammeln, was auch von vielen wahrgenommen wurde. Ich selbst hatte viele Gespräche zum Thema "Beruf und Familie", die mich in meinem Selbstbild als Vater und Berufstätiger teils bestätigten, aber auch viele neue Impulse legten, über mein Handeln unter neuen Gesichtspunkten zu reflektieren.

Sonntag gab es noch einmal die Möglichkeit, neue Sessions oder Folgeangebote vom Vortag anzubieten. Da man sich schon etwas besser kannte, ging es auch hier wieder ordentlich "in die Tiefe", und gefühlt waren die Gespräche noch eine Spur bedeutsamer und "impulsgebender"(gibt es das Wort?) als am Vortag. Zu dem Zeitpunkt machte sich in meinem Kopf aber schon das Gefühl breit, ob der Menge an Input nicht mehr so ganz auf der Höhe zu sein. Ich nutze eine Zwischenpause, um auf meinem Surface(das sich das Wochenende als treuer Begleiter erwiesen hat) die bisherigen Gedanken zu strukturieren und in Form zu bringen.

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher auszulegen
Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher auszulegen...

Eine weitere, aber prägnante Besonderheit im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen dieser Art möchte ich noch erwähnen, da sie meiner Meinung nach viele Gedanken, die dieses Netzwerk antreiben, sehr gut wiederspiegelt. Nämlich die Bezahlung.

...und Heidewitzka, waren das viele gute Bücher.
...und Heidewitzka, waren das viele gute Bücher.

Im Eingangsbereich der Forum Factory liegen Excel-Listen aus, welche die Reinkosten des Wevents darstellen. An der Wand hängt dazu passend ein Flipchart, das anzeigt, wie viel die Veranstaltung insgesamt kostet und was bisher an Einnahmen erfolgt ist. Während der Veranstaltung wird dieser Stand ständig aktualisiert. Der Hintergrund ist hier, dass die Veranstaltung zum einen als selbsttragend angelegt ist(also keine Profitveranstaltung) und zum anderen, dass es keine festen Beiträge gibt. So waren am Wochenende 185€ als empfohlener Betrag angegeben. Wer mehr zahlen kann und möchte, darf das genauso tun, wie jemand, der das nicht kann oder mag. Und man mag es kaum glauben, das funktioniert.

Fazit - TL;DR

Was habe ich von dem Wochenende mitgenommen und was erhoffe ich mir von der Mitgliedschaft bei intrinsify.me(die übrigens kostenlos ist)?

Ich habe viele unfassbar aufgeschlossene Menschen mit tollen Ideen und Gedanken getroffen. Ich habe ein Netzwerk kennengelernt, dass es zu schaffen scheint, dabei zu helfen, diesen Ideen Form zu verleihen und über den Status der "Spinnerei" hinauszuwachsen. Ich hatte ein geniales Wochenende in Berlin, obwohl ich von der Stadt außer dem Checkpoint Charlie beim Abholen unseres Autos nicht wirklich etwas gesehen habe. Und ich habe sehr viel über mich selbst gelernt. In meiner Position als Angestellter, als Vater und als Mensch überhaupt. Wenn ihr in eurer Nähe mal ein Wevent und dazu Interesse an dem Thema "Neue Arbeitswelt" habt, ich kann euch nur empfehlen, euch das ganze mal anzusehen.

Gruß, euer "devopsdad" Patrick aka Goulasz



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    • such doch lieber nach einem Trainee Job oder Junior Developer. In der nähe Dortmund oder Düsseldorf gibt es massig Firmen die sowieso jeden Mitarbeiter erstmal 6 Monate in ein Internes Schulungszentrum schicken, damit alle mit dem selben Grundwissen in die Projekte einsteigen. Eine Ausbildung ist wie RubberDog schon sagt ein weiter schritt zurück für dich. In einer Ausbildung kommst du noch nichtmal auf 10 Prozent des Wissens deines B.Sc. Das sind weggeschmissene zwei bis drei Jahre. Und mit def
    • Die Praxis fehlt jedem Studenten, der frisch aus der Uni kommt. Mit der Ausbildung machst du eher einen Rückschritt. Aber wenn die Ausbildung ist, was du möchtest - sieh' zu, dass du sie ordentlich verkürzen kannst.
    • @Listener danke dir! Ich habe schon mein Bachelor in Deutschland anerkenengelassen und das Sprachezertifikat B2 bekommen. Ich habe in Universität IT studiert und fehlt mir die Praxis. Deswegen ich die Enscheidung für eine Ausbildung getroffen.
    • @skathar Bei großen Arbeitgebern wirst du mit abgeschlossenem Informatikstudium auch Chancen haben. Oftmals werden dann sogar die Deutschkurse bezahlt. Eine Ausbildung halte ich hier nicht für wirklich zielführend. Wenn du der englischen Sprache mächtig bist und in der Informatik fit bist, klappt das auch ohne Ausbildung.
    • Also, ich habe Bachelor of Science (B.Sc.) in Informatik in Griechenland absolviert.  Danke für eure Antworten! Ich muss schnell bei IHK fragen! 😉
    • Heimatland = welches Land? Wird der Bachelor in Deutschland nicht anerkannt?  Um auf die minimal mögliche Zeit zu kommen, muss man die Verkürzung um 1 Jahr afaik bereits vor Beginn der Ausbildung bei der für dich zuständigen IHK beantragen (lassen) (it Einverständnis der Firma), da man in der Berufsschule dann direkt ins zweite Lehrjahr einsteigt. Dafür sollte man aber auch entsprechendes IT-Grundwissen haben und ich meine man benötigt als Abschluß das Abitur. Wie das mit ausländischen Sc
    • Ist der B.Sc. nicht International vergleichbar (deswegen ist das Diplom ja weg) und sollte daher hier anerkannt werden?   Material der Berufsschule und alte Prüfungen durcharbeiten. Maximal auf 18 Monate. Wenn du aber schon 6 Monate im ersten Jahr dabei bist, solltest du nicht mehr als auf 2 Jahre verkürzen, sonst musst du doch erstaunlich viel aus der Schule vorarbeiten.   Die Fristen sind meines Wissens unterschiedlich. Einfach mal bei deiner IHK anrufen und nachfr
    • Ich interessiere mich auch für die Ausbildungsverkürzung, weil ich schon in meinem Heimatland studiert habe. Aber ich denke, wenn ich wegen der deutsche Sprache nicht es schaffe, was kann ich weitermachen. Trotzdem, stelle ich meine Fragen 😂 Also, ich habe mit meiner Ausbildung vor 6 Monaten angefangen und ich habe Bachelor in IT-Bereich. Wie könnte ich am besten für die Prüfungen vorbereiten? Wie lange kann ich meine Ausbildung verkürzen? Wie früher muss man den
    • Das ist natürlich ein Beispiel, welches ich mir für den Blog wünsche. Ich hoffe du bleibst noch weiter am Ball und erzählst uns, von deiner bestandenen Abschluss Prüfung. Ich drücke dir auf jeden Fall beide Daumen. Der Vorteil an einer Umschulung ist, das du 8 Std jeden Tag im Fluss des Wissens bist. In einer normalen Ausbildung hast du die Berufsschule, die meistens veraltete Techniken beibringt. Unsere Dozenten haben noch nebenbei ihre Firmen am laufen und wir haben alle Themen in Bl
    • Ich persönlich bin aktuell an einer 2 Jährigen Ausbildung dran und gehe mit großen Schritten auf die Abschlussprüfung Mitte des Jahres zu. Verkürzen auf 1,5 Jahre hat bei mir auch offen gestanden, ist mir jedoch recht heftig vorgekommen da ich nur ein relativ geringes Vorwissen hatte von meinem Fachabitur. Zu meiner Ausbildung: Ich habe die Ausbildung bei meinem Jahres Praktikums Betrieb angefangen bei dem ich während meines Fachabitures Untergebracht war. Dadurch hatte ich den Vorteil der
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