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Wie verifizierbar ist eine Ausbildung?


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Hallo!

Bin jetzt FISI im 2. Lehrjahr. Hätte da mal eine theoretische Frage, wenn es zu kontrovers wird, kann der Thread natürlich wieder geschlossen werden.

Mir geht es um den praktischen Ausbildungsteil im Betrieb. Ich bin hauptsächlich ein Männchen für Typo3, mache etwas Kundensupport ("ist der Drucker denn angeschlossen?"), nunja, also sehr unskeptakulär.

In den Monaten ist mir aufgefallen, dass die ganze Ausbildungsabwicklung ja nur über den Betrieb erfolgt: Du fehlst in der Schule => sagst dem Betrieb Bescheid, du bist 4 Wochen krank => sagst dem Betrieb Bescheid - und der Betrieb sagt dir Bescheid, was du für spannende Aufgaben übernehmen sollst.

Ich habe mich daher in letzter Zeit gefragt, dass doch theoretisch jeder, der eine abgeschlossene IT-Ausbildung hat, sich selbstständig machen kann, bei der IHK anmelden und sich als Ausbilder registrieren kann. Und jene Person stellt nun einfach einen Azubi ein, offiziell macht er eine Ausbildung, in Wahrheit geht er gar nicht hin und macht sich einen faulen Lenz. Für die IHK-Prüfung und das Abschlussprojekt kann man sich ja nochmal explizit vorbereiten. Und stichprobenartige IHK-Prüfungen wie "ach, morgen!, wir wollten mal gucken, ob ihr Azubi wirklich im Büro ist!" kann ich mir nicht vorstellen.

Rums, und nach 3 Jahren hat der Azubi 'ne abgeschlossene Berufsausbildung - ohne, dass er sich überarbeitet hat. ;)

Wo ist mein Denkfehler? Ist das Ausbildungssystem damit nicht unfassbar manipulierbar, wenn 95% der Ausbildung hinter verschlossenen Türen abläuft?

Grüße

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Naja dein Azubi, der nie im Betrieb war, wird dann wohl keinen Job finden, weil er aus seinen ersten beiden während der Probezeit rausgeschmissen wurde, weil er keine Erfahrung mit betrieblichen Prozessen und angewandtem Wissen hat :D

Da bringt ihm seine IHK Urkunde herzlich wenig, wenn er nix im Betrieb gelernt hat ;)

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Naja, ist nicht wirklich neu, der Gedanke.

Aber wer durch die Prüfungen von Schule und Kammer kommt hat schon was gelernt.

Ich kenne leider ne Reihe Betriebe, die nicht wirklich ausbilden und trotzdem das nette Schild an der Tür kleben haben. Deren Azubis kommen aber regelmässig auch nicht durch die Prüfung(en) .... was in einigen Fällen schon dazu geführt hat, daß die Azubis nach dem letzten Anlauf weder nen Schein haben, noch wieder einen IT Beruf lernen dürfen.

Mir ist leider nicht bekannt, daß die Kammern hier intensiv einschreiten. Nach wie vor sind Ausbildungsplätze Mangelware und wer ausbilden möchte, scheint dies nach wie vor auch ohne AdA-Inhaber tun zu dürfen.

Aber wie gesagt, formal reicht das Bestehen der Prüfung, die ja nun auch nicht so einfach ist, daß man die ohne Wissen schafft

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Ist das Ausbildungssystem damit nicht unfassbar manipulierbar, wenn 95% der Ausbildung hinter verschlossenen Türen abläuft?
Natürlich ist das System damit prinzipiell manipulierbar - und wenn man sich hier manche Erfahrungsberichte anhört wird auch genau dies ja auch gemacht.

Die interessante Frage aber ist doch: Gibt es eine Alternative?

Was würde passieren, wenn die IHK ihre Kontrollen massiv ausweiten würde und jedem Ausbilder regelmäßig auf die Finger schauen würde, ob er seinen Job auch richtig macht und genau das tut, was er eigentlich tun sollte.

So wie ich das sehe würde es schlicht und ergreifend dazu führen, dass (deutlich?) weniger Firmen ausbilden, als das heute der Fall ist. Deutlich weniger Ausbildungsstellen würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der Beruf selbst an Bedeutung verlieren würde. Das wiederrum setzt die Spirale in Kraft, dass noch weniger junge Menschen FI werden wollen - und so weiter.

Alles stark vereinfacht aber schwarze Schaafe wirst du überall finden, das ist kein Phänomen, dem sich die betriebliche Ausbildung alleine gegenübersieht. Letzten Endes läuft es so, wie es momentan läuft immer noch ganz gut - da sollte man dann auch mit den Ausreissern leben (können).

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So wie ich das sehe würde es schlicht und ergreifend dazu führen, dass (deutlich?) weniger Firmen ausbilden, als das heute der Fall ist. Deutlich weniger Ausbildungsstellen würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der Beruf selbst an Bedeutung verlieren würde. Das wiederrum setzt die Spirale in Kraft, dass noch weniger junge Menschen FI werden wollen - und so weiter.

Das sehe ich anders. Ganz im Gegenteil. Zur Zeit wird Qualität der Quantität geopfert. Ein ausgebildeter Fachinformatiker kann heute in seiner Ausbildung umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten erlangt haben. Aber er kann genauso gut im Betrieb nichts, in der Schule auch fast nichts und für die Prüfungen nur das oberflächliche Minimum gelernt haben. Beide können einen guten Abschluss hinlegen.

Der Abschluss selbst sagt nur wenig über die Qualifikation aus. Und das ist der Bedeutung des Berufs, wie man ja in den Stellenbeschreibungen sieht, alles andere als zuträglich.

Und wenn junge Menschen FI werden wollen weil das so viele machen und es scheinbar jeder Pansen zum FI schaffen kann, wie kann das dann ein erstrebenswerter Zustand sein ?

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Der Abschluss selbst sagt nur wenig über die Qualifikation aus. Und das ist der Bedeutung des Berufs, wie man ja in den Stellenbeschreibungen sieht, alles andere als zuträglich.
Ja, aber das ist doch nicht auf den Beruf FI beschränkt, sondern zieht sich quer durch die gesamte Berufslandschaft.

Ich habe schon Bewerbungsgespräche geführt, bei denen die Kandidaten die tollsten Vorlesungen an der Uni besucht haben und ihren Dipl. Informatiker mit wirklich guten Noten hingelegt haben. Doch konnten die Leute das, worauf sie sich beworben haben und angeblich in der Uni auch gelernt (und die Prüfung bestanden) haben? Fehlanzeige!

Wir werden wohl nie dahin kommen, dass das was auf dem Papier an Kenntnissen steht mit dem, was tatsächlich geleistet werden kann übereinstimmt. Das kann man so akzeptieren oder versuchen bzw. fordern, dass es geändert wird. Ich denke die Energie für letzteres ist verschenkt, weil wir diesen Zustand wohl nicht erreichen werden (und meiner Meinung nach auch nicht erreichen können).

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Das sehe ich anders. Ganz im Gegenteil. Zur Zeit wird Qualität der Quantität geopfert. Ein ausgebildeter Fachinformatiker kann heute in seiner Ausbildung umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten erlangt haben. Aber er kann genauso gut im Betrieb nichts, in der Schule auch fast nichts und für die Prüfungen nur das oberflächliche Minimum gelernt haben. Beide können einen guten Abschluss hinlegen.

Der Abschluss selbst sagt nur wenig über die Qualifikation aus. Und das ist der Bedeutung des Berufs, wie man ja in den Stellenbeschreibungen sieht, alles andere als zuträglich.

Und wenn junge Menschen FI werden wollen weil das so viele machen und es scheinbar jeder Pansen zum FI schaffen kann, wie kann das dann ein erstrebenswerter Zustand sein ?

Moin,

ich find Youser hat da vollkommen recht. Die FI haben nämlich noch einen großen Nachteil, und zwar gibt es zu dem Beruf ein Gegenstück welches man studieren kann. Also müssen sich die Betriebe sowieso erst überlegen ob sie einen FI oder jemanden der studiert hat einstellen und wenn es dann noch so viel schlecht ausgebildete Personen sich bewerben, überlegt der Betrieb wohl 3 mal ob Sie weiterhin auch FI einladen.

Ich wäre deshalb der Meinung, dass man etwas mehr Wert auf die Qualität einer Ausbildung wert legen soll. Und das ist relativ einfach zu realisieren, es müssen Pflichtenhefte erstellt werden, wo es z.B. 12 großen Themen gibt und davon müssen die Betriebe mindestens 8 im Betrieb ausbilden. Damit wäre zwar immer noch das Problem wer sowas kontrolliert aber es würden bestimmt einige Betriebe, die zur Zeit nicht gut ausbilden, überdenken ob Sie ausbilden wollen.

Ich hatte nämlich ein ähnliches Problem und zwar hat mein Betrieb mich in einer Hotline(für Fragen zu einer speziellen Software) ausbildet und dort hatte ich dann nichts mit Hardware, Server usw. zu tun, also große Themen für den FISI.

Beste Grüße

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Ein Informatiker hat in erster Linie nichts mit einem Fachinformatiker zu tun. Der Informatiker ist eher im Bereich Forschung angesiedelt, der gemeine Fachinformatiker ist eher in der Exekutive zu suchen. Leider werden aber beide Berufe von der Wirtschaft mehr oder weniger gleichgesetzt und so machen viele Fachinformatiker das Gleiche, wie Informatiker. Obwohl man für das bischen Strippenziehen, Server installieren, Programmieren und Support definitv nicht studiert haben muss. Aber der Titel "Diplom-Informatiker" verkauft sich einfach besser. Warum also 'nen schnöden, überbezahlten Fachinformatiker nehmen, wenn's 'nen Studierter, überqualifiziert für's gleiche Geld tut und nicht mal merkt, dass er sich unter Wert verkauft hat? Das ist in meinen Augen das eigentliche Problem, was dieses Berufsbild hat...

Aber zur eigentlichen Eingangsfrage: Ein Standard ist IMHO kaum realisierbar. Dafür gibt es den Rahmenlehrplan. Der sollte zum Bestehen der Prüfung eigentlich ausreichen. Ob es für den Betrieb wirtschaftlich sinnvoll ist, einen Schein-Auszubildenden zu halten, der nie anwesend ist, wage ich mal zu bezweifeln und das dürfte auch kaum ein Ausbildungsbetrieb machen. Eher nutzen sie ihre Azubis nach Strich und Faden aus. Das ist wohl eher die traurige Regel. Und für die, die ohne Ausbildung den Titel Fachinformatiker tragen wollen, gibt es ja die Möglichkeit, die Prüfung als Externer zu machen. Sprich als Quereinsteiger mit mehrjähriger Berufserfahrung. Wenn ich 2-3 Jahre ohne Ausbildung in einem IT-Betrieb arbeite, sollte es ME kein Problem sein, zur Prüfung zugelassen zu werden :D

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... Und das ist relativ einfach zu realisieren, es müssen Pflichtenhefte erstellt werden, wo es z.B. 12 großen Themen gibt und davon müssen die Betriebe mindestens 8 im Betrieb ausbilden.
Gibt es. Nennt sich Ausbildungsrahmenplan.
Damit wäre zwar immer noch das Problem wer sowas kontrolliert aber es würden bestimmt einige Betriebe, die zur Zeit nicht gut ausbilden, überdenken ob Sie ausbilden wollen.
Kann kontrolliert werden - wenn der Azubi durchfällt ganz leicht sogar. Dafür gibt es das von Ausbilder und Auszubildendem beurkundete Dokument namens Berichtsheft.
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Die FI haben nämlich noch einen großen Nachteil, und zwar gibt es zu dem Beruf ein Gegenstück welches man studieren kann.
Nein, gibt es nicht. Die traditionellen Universitätsausbildungen (Dipl.Inf. oder ähnliches) haben ein anderes Profil als das für einen FI der Fall ist. In der Praxis sieht das ein wenig anders aus, da ist die Überschneidung der Tätigkeitsbereiche sehr groß, aber es gibt nicht das Uni-Gegenstück zum FI.

Aber selbst wenn: Wieso ist das automatisch ein Nachteil? Als FI bist du in der Regel deutlich früher im Arbeitsleben, als das nach einem Studium der Fall ist. Sprich: Zu der Zeit, wo ein Dipl. Inf. gerade die Uni verlässt (Nehmen wir beispielhaft mal Mitte 20) bist du schon eine ganze Weile im Beruf und hast die entsprechende Erfahrung gesammelt. Für mich (und manchen anderen Arbeitgeber, den ich kenne) ist das kein Nachteil sondern im Gegenteil - ein wertvoller Pluspunkt.

Ich wäre deshalb der Meinung, dass man etwas mehr Wert auf die Qualität einer Ausbildung wert legen soll.
Das solle man immer tun, nur liegt das zu einem großen Teil an dem Auszubildenden selbst. Wenn sich jeder intensiv mit dem befasst, was er (eigentlich) machen soll, dann benötigt es kaum große Kontrollen nach aussen.

Es ist natürlich einfacher die Verantwortung erst einmal abzugeben und bei anderen (der IHK oder sonstwem) zu suchen als selbst aktiv zu werden - aber das ist ein anderes Thema ;-)

Ich hatte nämlich ein ähnliches Problem und zwar hat mein Betrieb mich in einer Hotline [...] ausbildet und dort hatte ich dann nichts mit Hardware, Server usw. zu tun, also große Themen für den FISI.
Und hast du mit dem Verantwortlichen in eurem Betrieb gesprochen und ihn auf diesen Missstand aufmerksam gemacht? Hast du konstruktiv mit ihm zusammen an einer Lösung gearbeitet?
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Und hast du mit dem Verantwortlichen in eurem Betrieb gesprochen und ihn auf diesen Missstand aufmerksam gemacht? Hast du konstruktiv mit ihm zusammen an einer Lösung gearbeitet?

Bin ja auch der Meinung das man nicht nur Still in der Ecke sitzen sollte, und auch den Mund aufmachen muss wenn einem was nicht passt. Aber in dem Beispiel? Sollte ein Betrieb der Ausbildet nicht von alleine Wissen das dass nicht ok ist? Bin ich als Auszubildender dafür verantwortlich wenn mich mein Betrieb nicht ausbilden will, kann, möchte oder sonstiges?

Klar sollte ich in dem Fall dann das Gespräch führen! Aber hätte jeder Betrieb das Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinen Azubis würde die Diskussion gar nicht aufkommen. Und in der Hinsicht fehlt es dann schon an Kontrollen!

Gruß Snipes

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Sollte ein Betrieb der Ausbildet nicht von alleine Wissen das dass nicht ok ist? Bin ich als Auszubildender dafür verantwortlich wenn mich mein Betrieb nicht ausbilden will, kann, möchte oder sonstiges?
Natürlich sollte das der Fall sein. Aber es kann ja aus verschiedenen Gründen der Fall sein, dass es eben nicht so ist - da muss nicht unbedingt immer böse Absicht hinterstecken.

Vielleicht hat Person A den Auszubildenden eingestellt und dabei überhaupt nicht bedacht, dass Person B, die die Ausbilderrole übernehmen soll gar nicht verfügbar ist, anderweitig verplant ist, oder was auch immer.

Aber hätte jeder Betrieb das Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinen Azubis würde die Diskussion gar nicht aufkommen. Und in der Hinsicht fehlt es dann schon an Kontrollen!
Die Kontrolle muss doch aber nicht immer von aussen kommen. Wenn der Azubi sie auch übernehmen kann ist man doch schonmal einen Schritt weiter.
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Die Kontrolle muss doch aber nicht immer von aussen kommen. Wenn der Azubi sie auch übernehmen kann ist man doch schonmal einen Schritt weiter.

Dessen stimme ich dir ja auch voll und ganz zu! Dennoch glaube ich das ein 16-jähriger frischgebackener Azubi:

1. Sich niemals trauen wird den Mund aufzumachen um auf Misstände hinzuweisen. Da kommt halt dann das denken: "Die anderen sind ja Älter, haben mehr Erfahrung, sollten Wissen wie man ausbildet, sind schon länger dabei, haben schonmal ausgebildet...". Und dann stell ich es mir besonders schwer vor wenn dieser 16-jährige den Chef erklären soll was er alles falsch macht!

2. Teilweise gar nicht weiß und wissen kann wie die Ausbildung abzulaufen hat!

Wie gesagt natürlich darf und soll man sich nicht alles gefallen lassen! Und natürlich wäre der IHK geholfen wenn Azubis auf solche Betriebe hinweisen. Bloß wer macht das schon? (und erst recht wenn wir wieder an unseren 16-jährigen denken?). Von dem her sollten schon noch gewisse Kontrollen von aussen kommen, bzw. die Azubis von der IHK vor Beginn der Ausbildung auf sowas hingewiesen werden!

Gruß Bischi

P.s. ich weiß das es auch reife 16-jährige gibt! Also bitte nicht persönlich angesprochen fühlen!!

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Fangen wir mal in umgedrehter Reihenfolge an:

2. Teilweise gar nicht weiß und wissen kann wie die Ausbildung abzulaufen hat!
Das wäre aber sehr schade, denn wenn sie nicht wissen wie eine Ausbildung abzulaufen hat und vor allem welche Inhalte darin vermittelt werden soll(t)en: Wie können sie sich dann überhaupt dafür entschieden haben die Ausbildung zu machen? Einfach nur so, weil sie gedacht haben "FI ist cool"? Dann sind wir wieder am Anfang der Diskussion, dann kann das Ergebnis bzw. die Qualität dessen, was am Ende dabei herauskommt nur schlecht sein.

Dennoch glaube ich das ein 16-jähriger frischgebackener Azubi: 1. Sich niemals trauen wird den Mund aufzumachen um auf Misstände hinzuweisen.
Okay, das ist sicherlich ein guter Punkt. Auf der anderen Seite: Gehört sowas nicht auch mit zum Erwachsenwerden dazu? An irgendeiner Stelle muss man sich die Frage stellen: Wann darf (und muss!) ich vom Auszubilden Eigenverantwortung abverlangen und einfordern (können) und ab bis wohin muss ich die Kontrolle von aussen praktizieren?

Der durchschnittliche Auszubildende, den ich kenne ich bereits volljährig und spätestens da hört für mich die Fürsorgepflicht von aussen erstmal auf und geht in den Verantwortungsbereich des Auszubildenden selbst über. Ich kann nicht alles von aussen regulieren. Zur Ausbildung gehört auch selbstverantwortlich darüber zu bestimmen, was man machen will.

Irgendwann muss man da einfach mal durch - einfach ist das nicht, aber persönlich sicherlich für jeden auch gewinnbringend.

Und natürlich wäre der IHK geholfen wenn Azubis auf solche Betriebe hinweisen. Bloß wer macht das schon? (und erst recht wenn wir wieder an unseren 16-jährigen denken?). Von dem her sollten schon noch gewisse Kontrollen von aussen kommen, bzw. die Azubis von der IHK vor Beginn der Ausbildung auf sowas hingewiesen werden!
Ich sage ja auch nicht, dass es komplett falsch wäre die Kontrollen ein wenig "schärfer zu ziehen" aber man sollte eben nicht alles auf die IHK verlagern und jeden Eigenverantwortung im Keim ersticken. Die IHK kann und sollte unterstützen aber sie sollte nicht komplett die Zügel in der Hand haben. Sonst entsteht beim Arbeitgeber nämlich der Eindruck "Das Monster IHK kontrolliert uns bei allem und jedem und mit dem Auszubildenden holen wir uns die Regelwut und Kontrollflut ins Haus". Und das wird (verständlicherweise) viele - auch gute - Firmen davon abhalten überhaupt auszubilden. Von daher könnte ein solcher Schuss schon sehr nach hinten losgehen.
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Perdian denkt anscheinend aus der Sicht eines erfahrenen Mitarbeiters der seine Kenntnisse und Fähigkeiten kennt und mit dem Chef auf Augenhöhe verhandeln kann.

Der durchschnittliche Azubis ist nicht so. Der ist froh, seine Azubistelle gefunden zu haben und kommt möglicherweise gerade erst aus der Schule. Der will es auch nach Möglichkeit nicht mit dem Chef verderben.

Klar kann man von jedem Azubi erwarten, dass er sich selbst um einen vernünftigen Ausbildungsablauf kümmert und mit dem Chef vernünftige Lösungen findet. Aber dazu gehören eben zwei. Er und der Chef.

Und wenn dieser sich eben nicht sonderlich für die Belange des kleinen ( unwichtigen) Azubis interessiert, dann kann der durchschnittliche Chef mit jahrelanger Erfahrung in Sachen Personalführung diesen kleinen Azubi mal eben mit ein paar Sätzen abservieren.

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Das wäre aber sehr schade, denn wenn sie nicht wissen wie eine Ausbildung abzulaufen hat und vor allem welche Inhalte darin vermittelt werden soll(t)en: Wie können sie sich dann überhaupt dafür entschieden haben die Ausbildung zu machen? Einfach nur so, weil sie gedacht haben "FI ist cool"?

Also komm, zu glauben, jeder schlägt einen Bildungsweg in eine bestimmte Richtung deswegen ein, weil er sich vorher intensiv mit der Frage "was soll ich nach der Schule tun?" auseinandergesetzt hat und zu einer definitiven Entscheidung gekommen ist, stimmt einfach nicht. Ob es einem etwas wirklich liegt, merkt man sowieso erst, wenn man dabei ist, Vorüberlegungen hin oder her.

Wann darf (und muss!) ich vom Auszubilden Eigenverantwortung abverlangen und einfordern (können) und ab bis wohin muss ich die Kontrolle von aussen praktizieren?

Dann hast Du nicht erlebt, was woanders abgeht. Auszubildende werden mitunter "auf Distanz" gehalten. Kritik traut sich da fast keiner mehr.

Vielleicht hat Person A den Auszubildenden eingestellt und dabei überhaupt nicht bedacht, dass Person B, die die Ausbilderrole übernehmen soll gar nicht verfügbar ist, anderweitig verplant ist, oder was auch immer.

Dann muss der Betrieb, für den Person A ja auch arbeitet, eben entweder Person B freistellen oder weiteres Personal einstellen.

Als FI bist du in der Regel deutlich früher im Arbeitsleben, als das nach einem Studium der Fall ist.

bist du schon eine ganze Weile im Beruf und hast die entsprechende Erfahrung gesammelt.

Und was hat man von der "Berufserfahrung" im Speziellen? Wie kann diese "Lernerfahrung" ersetzen?

Doch konnten die Leute das, worauf sie sich beworben haben und angeblich in der Uni auch gelernt (und die Prüfung bestanden) haben?

Das ist jetzt sehr allgemein, was wurden die Bewerber denn gefragt und wie kam man zur Einschätzung, dass sich der Bewerber nicht in angemessener Zeit in die Thematik hineinfinden kann?

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Also komm, zu glauben, jeder schlägt einen Bildungsweg in eine bestimmte Richtung deswegen ein, weil er sich vorher intensiv mit der Frage "was soll ich nach der Schule tun?" auseinandergesetzt hat und zu einer definitiven Entscheidung gekommen ist, stimmt einfach nicht.
Ich weiss. Darum geht es auch gar nicht. Aber wenn ich mich nicht gut genug über meinen zukünftigen Beruf informiere, dann darf ich mich hinterher nicht beschweren, wenn es mir zum Nachteil wird, weil ich die notwendigen Informationen bzw. Inhalte (noch) nicht kenne. Primär habe die Verantwortung über mein (Berufs-)Leben immer noch ich. Klaro, kann ich es mir einfach machen und sie abschieben und auf z.B. die IHK verlagern - aber dann werde ich immer wieder auf die Schnauze fliegen. Irgendwann werde ich Verantwortung für mich übernehmen müssen. Meiner Meinung nach ist da je früher desto besser.

Auszubildende werden mitunter "auf Distanz" gehalten. Kritik traut sich da fast keiner mehr.
Sorry, aber zu einem großen Teil muss ich dann sagen: selbst Schuld. Wenn ich schon nicht meine eigenen Interessen wahrnehmen kann und mich da kaltstellen lasse - wie soll ich dann jemals im Job die Interessen anderer angemessen wahrnehmen können?

Die Frage ist doch: Was wollen wir? Dumme Azubis, die nie gelernt haben selbständig zu denken und für alles eine Kontrollinstanz brauchen, oder mitdenkende Menschen, die wissen worauf sie achten müssen? Wenn ich Leute einstelle weiß ich ganz genau, dass erstere nach dem ersten Gespräch gar nicht wieder aufzukreuzen brauchen.

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Wir denken ja irgendwo schon gleich und trotzdem grundverschieden!

Klar sollte man so schnell wie möglich im Berufsleben Verantwortung übernehmen. Aber das kann man nun mal nicht von Menschen erwarten die zum ersten mal arbeiten!! Jemand der noch nie nen Chef hatte, noch nie Arbeitskollegen hatte, geschweige denn jemals Verantwortung für seine Arbeit übernehmen musste, gerade der soll sich um alles kümmern?

Gerade dann finde ich müssen diese "jungen Menschen" noch unterstützt werden . Verantwortung und Bewusstsein folgt dann! Ab den 2. Lehrjahr sollte man dann schon so weit sein. Aber im ersten steht man in meinen Augen noch unter Welpenschutz! Und das ist genau der Knackpunkt:

Nehmen wir mal ne intakte Firme die drauf gewillt ist seine Azubis gescheit auszubilden. Diese werden dann gut unterrichtet, dürfen mit der zeit selbstständig arbeit verrichten und bekommen eine gewisse Verantwortung und Mitspracherecht. Dieser Azubi hat freilich keinerlei Problem zu seinem Chef zu gehen und mit ihm konstruktiv über Probleme zu reden! Spätestens im 2. Lehrjahr erst recht!

Nun das Gegenbeispiel:

Eine Firma stellt Azubis nur ein damit sie billige Arbeitskräfte haben. Diese werden im Normalfall schlecht bezahlt, erst recht schlecht ausgebildet, machen täglich die selbe Arbeit und bekommen tierisch Stress wenn sie mal was nicht hinbekommen und werden von vorne rein eingeschüchtert! Und nun nochmals mein 16-jähriger der von zu haus noch das Brot geschmiert bekommt, in der Schule vom Lehrer gesagt bekommt wie er Striche zu malen hat und in der Schule mehr oder weniger lernt das der Lehrer immer Recht hat.

Woher soll er die Verantwortung und das Selbstbewusstsein nehmen um zum Chef zu gehen und ihm zu sagen das alles auf gut Deutsch ****e ist!

Das geht einfach nicht! Und sollte er nach nem Jahr dann doch mal den Mut haben etwas zusagen, kann es längst zu spät sein!

Also in meinen Augen lernt man halt in einer guten Ausbildung wie man mit Konflikten umzugehen hat. Und da hat derjenige der diese nicht genießen darf halt dann den doppelten Nachteil.

Wie gesagt ich will auch keine "Diktatur der IHK". Aber mehr Unterstützung bzw. bessere Unterweisung der neuen Azubis und ein Hinweisen auf deren Rechte würde einiges verbessern. Und das würde auch reichen um dann deine geforderte Selbstkontrolle durchzuführen! Aber dazu muss ein Azubi einfach genau wissen was er darf, welche Rechte er hat und wie er sich im Zweifelsfall zu verhalten hat! Und dies vor Antritt und nicht erst währenddessen oder dannach!

Gruß Snipes

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also ich klinke mich mal auch ein :D

ich habe jetzt zwei situationen gehabt nr.1 wo ich 8h gearbeitet habe und jetzt nr.2 wo ich "ausgebildet" werde.

zumeist ist es so, dass die betriebe immer mehr schon bei ausbildungsbeginn die sprichwörtliche "eierlegende wollmilchsau" suchen. die ausbildung ist dann zumeist nicht breit gefächert, sondern der azubi wird von beginn an in eine richtung geschoben: er soll möglichst viel geld einbringen bei wenig ausgaben. in meinen augen könnte die ihk ruhig einen regelmäßigen "kontrollrundgang" im betrieb machen. denn wie es von snipes83 erwähnt wurde, die meisten sind froh, überhaupt eine stelle gefunden zu haben und wenn man mal kritik äussert, wird man schlichtweg nicht für voll genommen, man ist ja "nur" der azubi! und wenn dann in er unterhaltung dann auch noch die mitteilung beim chef falsch angekommen ist, hat man dann in der restlichen "ausbildungszeit" kaum freude. ich lasse mir igentlich sehr viel gefallen, aber ich äussere auch kritik wenn ich der meinung bin, man könnte da noch was optimieren oder eine bestimmte thematik vertiefen (da sie vielleicht im betrieb sehr wichtig ist). allerdings dann als unwissender azubi "abgestempelt" zu werden und dann merkt, das es nix gebracht hat, ausser dass der chef dann einen "aufm kieker hat", ist auch nicht angenehm, erst recht als berufsanfänger. ich hab dann daraus meine konsequenz gezogen und mir nen anderen betrieb gesucht und nochmal neu angefangen. aber ein solcher weg ist auch sehr steinig und die ihk wollte da nichts machen. viel zu oft wird man einfach im regen stehen gelassen. und ohne den ausbilderschein fehlt zum beispiel die "kontrollinstanz" innerbetrieblich (pädagogischer aspekt). aber das gillt gewiss nicht für jeden betrieb ;) ich habe jetzt das konträrprogramm, wo bei defiziten gezielt von unseren ausbildern gegen gesteuert wird.

die reinen starren prüfungen von der ihk sind von den meisten azubis mit fleiß zu erledigen. viele lernen erst nach der arbeit im betrieb wichtige dinge des berufes(bzw für die prüfung), da sie es im betrieb nie lernen können/dürfen/sollen. aber das kann schlecht sinn und zweck einer ausbildung sein. klar, fleiß gehört dazu, und der ist von jedem azubi unterschiedlich groß. aber das grundgerüst sollte ein betrieb vermitteln. und das passiert zu häufig einfach nicht oder nur unzureichend. und berichtshefte werden, wie erwähnt, einfach zu selten von der ihk geprüft, und wenn der azubi dann auch die wahrheit schreibt, es dem ausbilder nicht passt und er keine unterschrift bekommt und dann den bericht "fälschen" muss, kann auch nicht richtig sein. die erwähnte einweisung über recht und pflichte fehlt einfach oder wird nur eben mal schnell erwähnt.

da finde ich, sollte einfach "besser" gegengesteuert werden. und da ist und bleibt für mich die kontrollinstanz ihk übrig. denn sie vergibt ja dann auch den "gesellenbrief" ;)

mfg

tTt

Bearbeitet von tTt
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Hallo,

du müstest deinen Azubi ja anmelden das wären

1. Kosten für die Ausbildungsbetreuung durch die IHK (220 Euro?)

2. Versicherungskosten (bei mir 240 Euro monatlich die der Chef bezahlt.)

3. alle weitere Kosten

Am Ende ein Minusgeschäft.

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Der CCNA an Schulen ist fast IMMER nur eine art "Academy Certification" - somit keine vollwertige. Ich weiss das so genau da ich *werbung* bei Portal - ExperTeach GmbH eine Ausbildung als FISI mache und somit mit der Materie "IT-Weiterbildung" nach etwas über einem Monat Ausbildung schon etwas vertraut bin. Bei uns in der Schule werden ebenfalls CCNA-Academy Kurse angeboten, jedoch entsprechen diese natürlich nicht dem wahren CCNA !

Denn wie ich das ganze in unserem Hause mitbekommen habe, werden CCNA Prüfungen bzw allgemein Zertifizierungen von Cisco unter gewissen genormten Bedigungen abgehalten. z.B. durch Pearson VUE (vue.com) oder Prometric ....

Und solch eine Certification kann schon u.U. etwas Geld kosten :)

LG

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