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Hi,

ich bin 43 Jahre und seit ca. 20 Jahren in der IT-Branche (inkl. Ausbildung). Mittlerweile habe ich 7 Jobs hinter mir und werde demnächst wieder wechseln. Manche finden das befremdlich, andere respektieren das. Ich tue das nicht, weil ich einen 4-seitigen Lebenslauf anstrebe, sondern es gibt immer für mich triftige Gründe. 

Ein Grund sind "Flache Hierarchien", wie sie quasi überall als Goodie verkauft werden. Ich denke es gibt da relativ wenig Interpretationsspielraum, weil mehr oder weniger klar sein sollte, was damit gemeint ist. Allerdings frage ich mich mittlerweile, ob ich das zu wörtlich nehme und solche Begriffe einfach ignorieren sollte, oder ob ich die Sternchen in den Stellenanzeigen meistens überlese. Z.B. würde ich mal behaupten, eine klassische IT-Abteilung sieht so aus:

Fußvolk < Teamleiter < Abteilungsleiter < Center/Bereichsleiter < Geschäftsführer/Vorstand

Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass selbst einfachste Entscheidungen oft durch alle Instanzen laufen (müssen): Haben wir schon immer so gemacht. Das nervt mich tierisch, weil das natürlich dann alles auch entsprechen dauert. Weiterhin sind wir als Team oft überhaupt nicht in Entscheidungen involviert, die ausschließlich uns betreffen. Z.B. suchten wir einen externen Kollegen für eine Übergangsphase. Niemand hat vorher den Lebenslauf gesehen, niemand war bei irgendeinem Gespräch dabei. Wir haben ihn erst an seinem ersten Arbeitstag kennengelernt. Und er war ungeeignet für diese Position. Hätten wir mitentscheiden können wäre er gar nicht eingestellt worden. 

In meiner aktuellen Firma habe ich zudem mehr Vorgesetzte als direkte Kollegen. 

Wie sind die Erfahrungen bei euch? Stört euch das auch so extrem? Ich weiss, dass das Wechseln mit zunehmendem Alter vermutlich schwieriger wird und ich das wohl oder übel akzeptieren muss. 

 

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Einstellungen ohne das Team zu involvieren ist für mich ein No-Go. Aber das hat nichts mit der Hierarchie zu tun, sondern nur mit dem Prozess der Firma. Insofern würde ich das nicht vermischen.

"Flache Hierarchie" ist reine Definitionssache. Manche finden dein Beispiel "flach", andere meinen mit flach Mitarbeiter > Abteilungsleiter > GF. Und natürlich kommt das auch auf die Grösse der Firma an.

Wir haben auch immer wieder die Diskussion über die richtige Leitungsspanne und damit über die notwendige Anzahl an Führungskräften. Diese Spanne ist sehr stark von den Tätigkeiten abhängig. Gehen wir aber mal von IT-Admins aus. Da würde ich eine optimale Leitungsspanne von 8-12 (2 Pizza team)als aktuelle Lehrmeinung betrachten bei reinen Führungsaufgaben. Jetzt ist natürlich die Frage, ob die Führungskraft auch noch fachlich mitarbeiten soll - was (leider) sehr oft der Fall ist auf der untersten Leitungsebene.  Und so kann sich das alles verschieben. Und das kann man schön die Hierarchie hoch exerzieren mit der richtigen Führungsspanne. Und dann kommt noch der Punkt welche Verantwortung und Entscheidungsbefugnis gebe ich auf welche Ebene (Budget, etc.) - das ist die massgebliche Antwort auf die Frage nach der Entscheidungsdauer. Daher würde ich das auch im Vorstellungsgespräch fragen, welche Entscheidungsbefugnis der direkte Vorgesetzte hat, wenn das ein Punkt ist der dich wirklich nervt.

Meine Erfahrung ist, dass man fast immer die Entscheidungskompetenz verbessern kann, indem man sie nach weiter unten delegiert. Wenn das nicht passiert ist das oftmals kein systemisches Problem (Orgstruktur/Hierarchie), sondern schlicht und ergreifend ein Personenproblem, wenn  jemand aus welchen Gründen nicht sinnvoll delegieren kann/will.

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vor 1 Stunde schrieb carstenj:

Niemand hat vorher den Lebenslauf gesehen, niemand war bei irgendeinem Gespräch dabei. Wir haben ihn erst an seinem ersten Arbeitstag kennengelernt. Und er war ungeeignet für diese Position. Hätten wir mitentscheiden können wäre er gar nicht eingestellt worden. 

Oh das habe ich von vorherigen Arbeitgebern auch gekannt, mein aktueller Chef macht das sehr gut finde ich. Er lädt Leute zum Vorstellungsgespräch ein, da ist dann meistens einer von seinen Stellvertretern noch mit dabei und wenn diese überzeugen, lädt er sie zu einem Schnuppertag (meist ein Halber Tag) ein, wo sie das Team kennenlernen, wir alle können uns mit dem Bewerber unterhalten und ihn/sie kennenlernen. Wenn der dann Weg ist, gibt es immer eine Feedbackrunde wo wir alle unserer Eindruck schildern können und das fließt dann in die Entscheidung ein, einfach jemanden Einstellen, auch wenn alle dagegen sind gibt es nicht bei ihm. Klar ist das etwas mehr Aufwand, aber ihm ist das einfach wichtig und wir finden das gut.

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 Flach Hierachien ist sowas wie "flexibel" es kann eine Menge sein (und Auslegungssache) und beschreibst es eigentlich schon relativ gut. Es ist nur eine Floskel

vor 2 Stunden schrieb carstenj:

Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass selbst einfachste Entscheidungen oft durch alle Instanzen laufen (müssen): Haben wir schon immer so gemacht. Das nervt mich tierisch, weil das natürlich dann alles auch entsprechen dauert. 

Kenne ich aus zwei Perspektiven, es ist eine Sache wie es gehandhabt wird. Letzt endlich sind Geschäftsführer die sagen müssen der Prozess muss sich ändern und wenn die es nicht machen wird auch alles so bleiben.

vor 2 Stunden schrieb carstenj:

Z.B. suchten wir einen externen Kollegen für eine Übergangsphase. Niemand hat vorher den Lebenslauf gesehen, niemand war bei irgendeinem Gespräch dabei. Wir haben ihn erst an seinem ersten Arbeitstag kennengelernt. Und er war ungeeignet für diese Position. Hätten wir mitentscheiden können wäre er gar nicht eingestellt worden. 

Das Beispiel kenne ich aus eigener Erfahrung und es zeigt das man durch den Begriff sehr viel Spielraum hat. Man könnte die Mitarbeiter mit einbeziehen, man kann es aber auch sein lassen. Am Ende ist es immer der Ermessensspielraum der Verantwortlichen.  

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Den Punkt mit "Mitarbeiter in Bewerbungsgespräche" einbeziehen kann ich mir ehrlich gesagt nur schwer vorstellen. Das kenne ich auch von keiner Firma, bei der ich bisher war oder wo ich Einblicke in deren Prozesse habe. Am Ende entscheidet immer eine Kombination aus Fachabteilungsleiter, HR und/oder GF, wer kommt und wer nicht. Genau das finde ich richtig und sinvoll.

Wer soll es sonst entscheiden? Die zukünftigen Kollegen, die vielleicht gerade erst aus der Ausbildung heraus sind oder im schlechtesten Fall Konkurrenz und Veränderung fürchten? Das macht alles nur kompliziert und zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Der Abteilungsleiter z. B. sollte seine Mannschaft kennen und wissen, wer ins Team passt.

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Wer Konkurrenz fürchtet, der sollte seinen Job besser machen, anstatt es zu versuchen andere zu sabotieren.
Um "Entscheiden" geht es da nie (das wäre Schwachsinn). Dabei sein ist sinnvoll. Einen aus der Fachabteilung mit rein setzen, der mal ein bisschen in IT-themen reinbohrt und mal etwas nachhakt.(davon haben Personaler ja keine Ahnung, genauso wenig wie von z.B. CAD, Consulting, oder Controlling. Warum auch? Ist schließlich nicht deren Job) Der Fachkollege kann dann auch ein wenig besser beurteilen, ob Zertifikat XY oder Software ZX sein muss, oder vielleicht auch was anderes "ok ist".

Personaler: "Kennen sie Enteo?"

"Ich habe mit DSM HEAT/Ivanti gearbeitet"

"Vielen Dank für das Gespräch"

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Nun wir haben auch "flache Hierarchien". Aufgrund der geringen Größe, gut 10-15 MA sind die aber auch wirklich flach. Klar es gibt den Geschäftsführer und den jeweiligen Projektleiter. Details liegen bei mir, größere Entscheidungen werden mit den jeweiligen Projektleiter abgestimmt. Hat der Angst, dass ihm der Kopf abgerissen wird, wird noch einmal der Geschäftsführer ran gezogen.

Aber wie gesagt bei der Größe ist das relativ unkompliziert, da lauf ich nen paar Meter weiter und kläre das eben. Da ist nix mit Anträgen stellen oder was weiß ich. Entweder habe ich meine Entscheidung instant, den Folgetag oder man möchte es beim wöchentlichen Meeting nochmal auf den Tisch bringen.

Mit den Bewerbungsgesprächen haben wir auch nix direkt zutun, jedoch kriegen die fitteren Leute bei uns i.d.R. die Bewerbungsunterlagen mal in die Hand und dürfen ihren Senf dazu geben. Nachdem der neue Kollegen eingestellt ist, arbeiten wir den letztlich ein und stehen dann auch im Kontakt mit dem Geschäftsführer.

Das speziell ist aber auch gar nicht mein Thema, bin da zu sehr schwarz und weiß, sprich entweder zu nachsichtig oder ich möchte, dass derjenige eben auch für die Topleute an Bord einspringen kann, nachdem er eingearbeitet ist, letztlich besteht aber wohl kein Team nur aus Topleuten.

Ich denke aber wenn ich Interesse daran hätte und zum Chef gehen würde und sagen würde er soll neuen Bewerbern mal nen Probetag andrehen und ich möchte dem auf den Zahn fühlen, dann wäre das auch kein Problem. Beim Bewerbungsgespräch gibt es aber natürlich auch viele Vertragsdetails wie Urlaub, Gehalt usw. da sehe ich uns als Kollegen eher nicht.

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Fast überall wirbt man mit "flachen Hirarchien". Ich hatte ähnliche Erfahrungen wie @carstenj.

Mir wurde versprochen, dass ich fachliche Entscheidungen machen dürfte. Meine Kollegen habe ich erst am 1. Arbeitstag kennengelernt. Hinterher kam heraus, dass ich nur operativ tätig sein durfte (wegen fehlender Berufserfahrung) und alles vom Geschäftsführer genehmigt werden musste (was kaum passierte). Ich hatte hier dann auch irgendwann keine Lust mehr....

Wie kann man sich, wenn 4 Chefs übereinander Standard sind, vor so etwas schützen? Selbstständigkeit oder Studium! Also habe ich mich für das Studium entschieden. Jetzt gibt es viel attraktivere Angebote. Das ist zwar mit dem Bachelor nicht überall so, aber der Großteil der Unternehmen akzeptiert meine Berufserfahrung als FISI, so dass ich nicht wie ein Berufsanfänger dastehe, sondern höher eingestuft werde. So darf ich auch endlich selbst Entscheidungen treffen.

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Hallo zusammen,

ich kann ein bisschen von meiner Arbeit berichten. Als Hintergrundinfo, wir sind, Achtung Buzzword "Agile" organisiert. Das bedeutet unser Team besteht aus 4x Cloud Engineers | 1x Kanban Lead | 1x Product Owner. Zudem gibt es ein Tribe Lead der mit dem Product Owner Ziele vereinbart, aber nicht permanent im Squad sitzt. Wie sich schon erahnen lässt arbeiten wir nach der Kanban-Methode. 

Im Alltag befinden sich alle im Squad auf gleicher Höhe, sprich ein Engineer muss nicht der gleichen Meinung wie der PO sein. Falls kein Konses im Team erreicht wird, kommt der Tribe Lead noch dazu. Arbeispackages werden in Stand-up Meeting gemeinsam festgelegt. Technische Entscheidung bleiben im Team, falls finanzielle dazukommen müssen die noch mit der Finanzabteilung (die natürlich nicht Agile arbeitet ;) ) abgesprochen werden.

bearbeitet von StickyBit

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Meiner Erfahrung nach bedeutet „flache Hierarchie“ einfach, dass es sich um ein strauchelndes, häufig junges Unternehmen handelt. Ein Unternehmen, das viel Spielraum für spontane Richtungswechsel braucht. So bedeutet „flache Hierarchie“ für mich auch, dass man sich seiner Rolle nie sicher ist und jederzeit vom Chef anders eingesetzt oder gegen andere ausgespielt werden kann.

Macht dein Vorgesetzter seinem Vorgesetzten zum Beispiel Stress, dann kann letzterer deinen Vorgesetzten gerne mal mit der Begründung „flache Hierarchie“ unter Druck setzen indem er direkt mit dir anstatt mit deinem Vorgesetzten kommuniziert.

Mitarbeiter erleben flache Hierarchien als sehr politisch. Jeder konkurriert mit jedem. Im Ergebnis entwickelt sich daraus dann aber doch eine defacto Hierarchie. Der wesentliche Unterschied ist, dass es für die Geschäftsführung leichter ist bei veränderter Auftragslage/Unternehmenssituation, die de facto Hierarchie vom Tisch zu wischen und die Karten neu mischen zu lassen.

In sofern ist eine flache Hierarchie für mich immer erst einmal ein Warnsignal!

 

 

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