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Depression während der Ausbildung

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Morgen allerseits,

ich will hier nicht meine ganze Leidensgeschichte ausbreiten, daher dampfe ich es mal auf das "Grundproblem" zusammen: Seit etwas über einem Monat (möglicherweise auch zwei, so etwas zu bestimmen ist tückisch) hat meine Arbeitsleistung während der Ausbildung stark nachgelassen. Ich kriege zwar die "Routinetätigkeiten" noch hin und auch an Projekten arbeite ich mit, aber ich merke einfach, dass ich nicht so auf Abruf stehe, wie ich das gewöhnt bin und das zeigt sich auch. Chef will deswegen auch die Tage einmal mit mir sprechen (zwar nicht unter dem Prätext, dass meine Ausbildung dadurch bedroht ist, aber es ist anscheinend doch auffällig) und ich bin nun an dem Punkt angelangt, wo ich glaube, den Grund dafür erkannt zu haben.

Ich hatte schon früher mit depressiven Schüben zu kämpfen und war deswegen auch kurzzeitig in Therapie, aber das Kapitel hatte ich eigentlich als erledigt angesehen. Mehrere Jahre habe ich keinen einzigen dieser Schübe gehabt und die Abstände zwischen den Sitzungen wurden immer größer, bis sie schließlich ganz aufgehört haben. Und auch dann ging es mir gut. Bis eben vor etwa einem Monat. Ich kann mich einfach zu wenig aufraffen, meine Begeisterung sowohl für Beruf als auch Hobbies lassen nach und wenn ich versuche, mich "auf zu raffen" geht das für vielleicht einige Stunden gut, aber dann wird es noch schlimmer. Das anstehende Gespräch mit dem Chef tut sein Übriges, um mich diesbezüglich nervös zu machen und ich weiß offen gesagt einfach nicht mehr weiter. Wie kann man so etwas erklären? Und vor allem, wie kann man so etwas ansprechen, ohne dass es nach einer billigen Ausrede klingt? "Ich weiß, ich habe die letzten zwei Monate nur das Notwendigste gemacht, aber immer wenn ich daran denke, was an Arbeit noch vor mir liegt, sehe ich nur die möglichen Fehler und scheitere alleine schon daran" klingt sogar für mich selbst bescheiden, obwohl ich da so empfinde.

 

Das Thema geht zwar über "Ausbildung im IT-Bereich" ein wenig hinaus und ich werde mir da auch professionelle Hilfe holen (müssen). Ich hoffe einfach, hier auch ein paar Ratschläge zu kriegen, wie ich mit dem anstehenden Gespräch umgehen und, jedenfalls auf längere Sicht, meine Motivation zur Ausbildung wiederfinden kann.

bearbeitet von Waldmeist0r
Kleiner Sprachdreher im letzten Absatz

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Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber wenn Du so etwas schon einmal hattest, wäre es wohl das Sinnigste Experten zu fragen. Die Therapie schien in der Vergangenheit funktioniert zu haben. Warum sollte das nicht erneut klappen?

Wir kennen weder Dich noch Deine Situation, wie sollen wir Dir ernsthafte Ratschläge geben?

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Genau das. Fertigwerden muss ich selbst damit, und das mit professioneller Hilfe, das ist mir klar. Aber wie ich das im Gespräch mit meinem Chef anspreche, das weiß ich eben nicht - und da hier ja auch viele mit jahrelanger Berufserfahrung in der IT aktiv sind und ein paar von denen vielleicht sogar mal in einer ähnlichen Lage waren, hoffe ich einfach, hier zumindest ein paar Hinweise zu kriegen, was man vielleicht sagen oder eher nicht sagen sollte.

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Wie gut verstehst du dich den mit deinem Chef, bzw wie schätzt du ihn in Punkto "Umgang mit Krankheiten die man nicht sehen kann" ein? Zur Erklärung: es gibt "alte Hasen" die so etwas wie eine Depression nicht verstehen, bzw. auch nicht akzeptieren.

Wenn dein Chef nicht dazu gehört: Karten auf den Tisch. Du hattest das schon mal, merkst die Symptome jetzt wieder und bist dabei dir Hilfe zu suchen. So und so äußert es sich (nur die Punkte die deine Arbeit betreffen).

Dann weiß er was los ist und kann mit dir eine Lösung suchen, und dich ggf. nicht auf Kundenprojekte sondern auf eine "da kannst nichts kaputt machen" Testumgebung loslassen.

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Ich persönlich hab in einer ähnlichen Situation einfach offen angesprochen, was los ist.
Selbst festgestellt, dass meine Leistung nachlies, habe mich um eine Diagnose und die folgende Behandlung gekümmert, und im Gespräch dann einfach die Lage geschildert - Problem ist bekannt, ich versuche etwas dagegen zu tun.

Kommt dann natürlich auf den Chef an, aber ich glaube die völlig uninformierten Zeiten der panischen überreaktion sind vorbei, im Allgemeinen wissen die Leute etwas mehr über die Erkrankung. 
Nicht im Detail, nachfragen kommen mit Sicherheit.
Aber an deiner Stelle würde ich da nicht besorgt reingehen.

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vor einer Stunde schrieb Waldmeist0r:

"Ich weiß, ich habe die letzten zwei Monate nur das Notwendigste gemacht, aber immer wenn ich daran denke, was an Arbeit noch vor mir liegt, sehe ich nur die möglichen Fehler und scheitere alleine schon daran"

Wenn dein Chef kein Idiot ist, ist es völlig ok, das so zu sagen (ggf. mit deiner Krankheitsgeschichte, wenn du das möchtest). So wie es klingt hast du ja vorher gute Arbeit gemacht und "nur" aktuell Probleme. Das sollte deinem Chef zeigen, dass du es prinzipiell kannst, im Augenblick aber einfach Probleme hast.

Ich hoffe, dass du da jemanden sitzen hast, der psychische Probleme ernst nimmt und dir Unterstützung anbietet.

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vor 37 Minuten schrieb arlegermi:

Ich hoffe, dass du da jemanden sitzen hast, der psychische Probleme ernst nimmt und dir Unterstützung anbietet.

Das sehe ich eigentlich als das einzige Risiko.

Ich kann nur sagen wie ICH das sehe: Wenn mein Azubi (ich habe keinen, aber egal) mir so sehr vertraut, dass er so etwas erzählt, müsste ich echt ein A*sch sein wenn ich nicht versuchen würde ihn da zu unterstützen.

Zumindest wenn ich anständig ausbilde und auch meinen Fürsorgeauftrag ernst nehme. Natürlich ist eine Firma nicht die Heilsarmee (außer man arbeitet bei dieser), aber als AG und vor allem als Ausbilder muss ich unterscheiden können zwischen "braucht einen Tritt in den Hintern" und "braucht Hilfe".

Dass du nicht blöd oder faul bist hat er ja schon gesehen. Wahrscheinlich will er von dir wissen was los ist. Bei professioneller Hilfe reden wird doch auch ggf. von AU-Scheinen? Spätestens da sieht man ja, welche Fachrichtung von Arzt diese ausgestellt hat.

Wenn ich das richtig sehe bist du im 2. oder 3. Lehrjahr, d.h. Konsequenzen hat das für dich eh wenige, als Azubi musst du goldene Löffel klauen, und selbst dann... Dein Job ist also nicht in Gefahr, egal was du machst (vor allem Fehler).

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Auch meine Meinung: Ehrlich sein.

Sag ihm das du es selber gemerkt hast und dich um die Wiederaufnahme der Therapie schon kümmerst.

 

Noch ein Tip, falls du merkst das dein Chef dir helfen will aber nicht so genau weis was er tun soll.  Versuch nicht ihm selber Tips zu geben. Meiner Meinung nach kann das nach hinten losgehen. Entweder kommt es irgendwann so rüber das du dir nur noch das raussuchst was dir in den Kram passt oder du fängst an die Hilfe so zu fordern das sie ein wohlwollen gegenüber dem Chef ist und dir eigentlich nichts bringt.

Ich denke es wäre zum Beispiel eine Idee dem Chef vorzuschlagen das du nen Gespräch mit deinem Therapeuten arrangierst. Diese wird nicht direkt über dich reden, also nicht erzählen was du genau hast. Wird aber dem Chef objektiv erklären können wozu du aktuell noch in der Lage bist und wie man dir am besten helfen kann. Meiner Meinung nach ist das auch für den Chef am einfachsten zu aktzeptieren wenn ihm ein Arzt direkt sagt das geht, oder das geht nicht.

Das musst du aber selber mal mit dir ausmachen und mit dem Therapeuten besprechen ob er das machen würde.

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vor einer Stunde schrieb Waldmeist0r:

Ich kann mich einfach zu wenig aufraffen, meine Begeisterung sowohl für Beruf als auch Hobbies lassen nach und wenn ich versuche, mich "auf zu raffen" geht das für vielleicht einige Stunden gut, aber dann wird es noch schlimmer.

Hallo Waldmeist0r,

hast du eine Idee, warum das so ist? Hast du gerade mehr Stress (im Beruf oder privat), ist irgendeine neue Situation eingetreten? Welche Ängste hast du, welcher Film läuft in deinem Kopfkino? Vielleicht hilft es dir, in dich zu gehen und dir darüber Gedanken zu machen. Die Ursachen und Auslöser zu suchen.

Desinteresse an allem möglichen ist ein typisches Symptom der Depression. Das muss nicht bedeuten, dass du deshalb für den Beruf nicht mehr geeignet bist oder keine guten Leistungen mehr erbringen kannst. Das solltest du auch deinem Chef so sagen, falls er der Typ ist, der weniger Verständnis für dein Leben mit der Krankheit hat.

vor einer Stunde schrieb Waldmeist0r:

Das anstehende Gespräch mit dem Chef tut sein Übriges, um mich diesbezüglich nervös zu machen

Was denkst du denn, wie das Gespräch ablaufen wird? Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Mal es dir einfach aus.

Fertig? OK - Und was ist realistisch gesehen das Schlimmste, was passieren kann?

Wenn du dich damit wohler fühlst und ihr solche Stellen im Unternehmen habt, kannst du vielleicht den Betriebsrat oder eine Person vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement hinzuziehen.

vor einer Stunde schrieb Waldmeist0r:

Wie kann man so etwas erklären?

Depression ist eine Krankheit. Eine ernstzunehmende, potenziell tödlich verlaufende, den Körper stark beeinträchtigende Krankheit. Leider haben nicht alle Menschen Verständnis für die Probleme von Depressiven, weil sie ja nach außen hin mehr oder weniger "normal" wirken und es unmöglich ist, einem Depressiven zu helfen, der sich nicht selbst hilft. Gute Ratschläge helfen Depressiven nicht immer weiter, selbst wenn sie versuchen sie zu befolgen, was zu einem reißenden Geduldsfaden bei denen führt, die keine Depression haben. Halte dir vor Augen, dass Unverständnis und negative Reaktionen (z. B. der Vorwurf, nur faul zu sein) entweder aus Unwissenheit resultieren oder aus Frust. Da hilft nur aufklären und selbst geduldig sein.

vor einer Stunde schrieb Waldmeist0r:

immer wenn ich daran denke, was an Arbeit noch vor mir liegt, sehe ich nur die möglichen Fehler und scheitere alleine schon daran

Leider hat Deutschland eine Kultur, in der Fehler ungern gesehen sind. Wer scheitert, gilt als Versager. Das ist ein sehr kurzsichtiges Denken. Denn jeder, der gescheitert ist, kann sich aufrappeln und es noch einmal versuchen, so lange, bis es klappt. Fehler machen ist gut, denn du gewinnst dadurch an Erfahrung. Es gibt Fehler, die vermeidbar sind (vor allem solche, die wir schon einmal gemacht haben), aber es ist völlig normal und für jeden Lernprozess unbedingt nötig, Fehler zu machen. Würde ich heute laufen können, wenn ich nach jedem Hinfallen nicht mehr aufgestanden und weitergelaufen wäre? Ganz sicher nicht. Kleine Kinder sind furchtbare Drama Queens, wenn sie hinfallen. Sie sind gefrustet, haben Angst, haben sich vielleicht verletzt. Zu erfahren, dass man einen Fehler gemacht hat, ist keine schöne Sache. Aber es ist ausgesprochen selten, dass Menschen dadurch nicht Laufen lernen. Zehn Jahre später beherrschen sie es längst perfekt. Solange sie aufstehen und weitergehen.

Ich gehe mal davon aus, dass du laufen kannst, du beherrschst die deutsche Sprache sehr gut und hast sicher noch andere Fähigkeiten, die du dir erst mühsam aneignen musstest. Das beweist, dass du gut lernen kannst und alle Fähigkeiten mitbringst, um  mit Fehlern richtig umzugehen. Du brauchst also keine Angst davor haben, Fehler zu machen. Sie sind nie angenehm, aber letztendlich weniger schlimm, wenn man sie als das betrachtet, was sie sind: ein wichtiger Teil eines Lernprozesses.

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Ein kleines Update: Ich habe mich vorhin mit meinem Ausbilder unterhalten und das Thema auch mal zur Sprache gebracht. Es verlief äußerst positiv, mir wurde z.B. auch gesagt, dass meine bisherigen Leistungen einwandfrei sind (und der Mann spart für gewöhnlich nicht an Kritik), nur dass es in letzter Zeit eben hapert. Als ich ihn auf meine Depression angesprochen habe, habe ich viel Verständnis und Zuspruch bekommen und er hat auch seine Meinung geäußert, dass der Chef dafür Verständnis haben wird. Im Zweifelsfall wird man mich wohl auch dabei unterstützen, mir professionelle Hilfe zu holen und auch der Punkt, mir eventuell einen anderen Aufgabenbereich zukommen zu lassen (nur um aus zu schließen, dass es an meiner momentanen Tätigkeit liegt) steht im Raum, sofern von mir gewünscht. Ich bin gerade ziemlich froh darüber, wie gut ich es getroffen habe.

 

Danke euch allen für eure Ratschläge.

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